Bankenkrise 2023 erklärt und was wir jetzt tun…(#11)


März 2023

Lieber Jakob,

in den letzten Wochen ist eine neue Bankenkrise, nennen wir sie „Bankenkrise 2023“, aufgezogen. Einige sagen, dass es sich eher um mehrere „kleine“ Bankenkrisen handelt. So oder so, es kam schon zu einem regelrechten Bankencrash in Amerika mit zwei Pleiten und auch in Europa fiel die zweitgrößte schweizer Bank dieser Krise zum Opfer.
Daraus wachsen Sorgen um eine neue Finanzkrise. Viele sehen sich an 2007/2008 erinnert. [1]

Wenn man sich Sorgen macht, ist es vor allem erst mal wichtig alle Fakten zu kennen und die Hintergründe zu verstehen. Deshalb möchte ich hier versuchen, verständlich zusammenzufassen, was passiert ist.

Außerdem will ich die Frage beantworten, was wir jetzt damit tun.

Warum sind Banken so wichtig für unser Wirtschaftssystem? Und warum gehen dieser gerade wieder reihenweise „kaputt“?
Bleibt das nun auf einzelne Banken begrenzt, oder haben wir ein Risiko im gesamten System?

Schauen wir mal…

Banken sind wichtig! Warum eigentlich?

Bevor ich auf die Bankenkrise 2023 näher eingehe, möchte ich kurz erklären, warum Banken eigentlich so wichtig sind.

Banken halten unser Geldsystem am Laufen. Alles, was wir uns kaufen können, muss natürlich mit Geld bezahlt werden. Geld ist außerdem ein Wertspeicher, mit dem ich meine Arbeit, bzw. das damit verdiente Geld, in die Zukunft mitnehmen kann. Ich kann also genug sparen, um mir später einen großen Traum zu erfüllen. Die Reise, das Auto, der vorzeitige Ruhestand…

Gut, das können wir aber eigentlich auch ohne Bank, oder? Wir könnten theoretisch unser Geld einfach daheim horten oder im Garten vergraben. Mal davon abgesehen, dass sich das für mich nicht sonderlich sicher anfühlt und auch mega kompliziert wäre, was würde denn passieren, wenn das jeder tun würde?

Wenn jeder sein Geld in Bar vorhalten würde, dann würden Unmengen an Geld einfach nutzlos irgendwo herumliegen. Das wäre also „totes Kapital“, weil damit einfach nichts passiert. Und genau das wäre schädlich für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand.

Was passiert mit unserem Geld, wenn wir es bei der Bank einzahlen?

Viele denken vielleicht, dass das eingezahlte Geld bei der Bank irgendwo rumliegt, bis ich es wieder brauche. Einfach so. Wenn auch nur als Zahl auf einem Kontoauszug.
Ganz so einfach ist das aber nicht. Die Bank muss das Geld auch wieder irgendwo unterbringen. Entweder als Bargeld im Tresor – das kostet aber Aufwand (Geldtransport, Lagerung) und damit Geld. Deshalb wird nur begrenzt Bargeld vorgehalten.
Oder sie parkt das Geld bei der Zentralbank. Dort hat, vereinfacht gesagt, jede Bank ein Konto. Lange musste die Bank für diese Einlagen aber Strafzinsen zahlen. (Negativzinsen) Also nicht so der Brüller fürs Geschäft. Alternativ kann die Bank mit einem Teil des Geldes arbeiten und es z.B. in Anleihen investieren.
Oder – und das ist der „sinnvollste“ Weg – es wird in Form von Krediten anderen zur Verfügung gestellt. Dazu muss aber auch jemand erst mal so einen Kredit wollen. So entstehen dann neue Häuser, neue Fabriken etc. etc.

Wenn die Fabrik mal gebaut ist, kommt über die Produktion und den daraus resultierenden Gewinnen über eine lange Sicht die ursprünglich investierte Summe, und mehr, dabei wieder raus.

Dieses Geld liegt also nicht nur herum, sondern hält unsere Wirtschaft am Laufen und sorgt für Wachstum.

Wenn jede Firma für zukünftige Investitionen, oder auch der Privathaushalt für den Hausbau etc., das Geld erst verdienen und im Keller stapeln müsste, ging nicht mehr viel. Geld muss fließen. Sonst steht die Wirtschaft. Und damit fallen Arbeitsplätze weg und es entsteht ein Wohlstandsverlust.

Banken halten den Geldfluss aufrecht

In der Finanzkrise 2008 hat man gesehen, was passiert, wenn der Geldfluss zum Erliegen kommt. Rezession. Wirtschaftsabschwung und Jobverluste etc. Die Zentralbanken sahen sich dadurch, bis vor kurzem, gezwungen, mit niedrigen Zinsen, sogar negativen(!), den Geldfluss wieder ans Laufen zu bringen und zu erhalten und damit die Wirtschaft und das Wachstum zu stützen.

Genau deshalb sind Banken so wichtig. Sie lassen das Geld fließen. Darüber hinaus ist es auch für uns bequem per EC-Karte/Kreditkarte zahlen zu können und unsere regelmäßigen Rechnungen per Lastschrift zu bezahlen, anstatt immer Bargeld in der Gegend herumzufahren um z.B. unserem Vermieter die Miete zu bezahlen.

Dazu kommt: Banken sind sicher – oder sollten es zumindest sein:

Zurück zu Geldeinlagen. Also der Kohle, die du zur Bank trägst.
Diese kannst du jederzeit von der Bank holen, obwohl die Bank, wie besprochen, mit einem Teil des Geldes arbeitet. Wie geht das?

Geldeinlagen bei der Bank

Bei der Bank liegt nicht nur dein Geld, sondern auch das von vielen anderen. Im Normalfall wollen nicht alle gleichzeitig ihr Geld. Und da nur ein gewisser Teil verliehen bzw. investiert ist, bekommst du als Einzelperson jederzeit dein Geld ausbezahlt. Es ist genug da.
Problematisch wird es nur, wenn plötzlich alle ihr Geld wollen würden. Das passiert z.B., wenn das Vertrauen in die Bank schwindet. Natürlich! Wenn ich glaube, dass mein Geld nicht mehr sicher auf dieser Bank angelegt ist, dann ziehe ich es ab. Überweise es auf eine andere Bank oder hebe es in Cash ab. Ich will mein sauer verdientes Geld ja nicht verlieren! Und genau das ist bei sogenannten Bank-Runs in der Vergangenheit passiert. Alle wollen ihr Geld „retten“ und verursachen damit das Übel, bzw. beschleunigen es.

Das hat auch der Silicon Valley Bank in der Bankenkrise 2023 das Genick gebrochen. Sie hatten die „Liquidität“ schlichtweg nicht, bzw. viel Geld langfristig angelegt. Viele (zu viele) Kunden wollten dann auch noch auf einmal ihre Kohle. Aber dazu noch mehr, weiter unten.

Dazu kommt, dass Banken auch noch untereinander Geschäfte machen und damit stark miteinander verwoben sind. Wenn eine fällt, vor allem eine große, wie damals in der Finanzkrise 2008, dann trifft das unter Umständen mehrere Banken und verbreitet sich letztlich im gesamten System.

Damals 2008, in der Finanzkrise, hat unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit dem Finanzminister Peer Steinbrück beruhigt und für Vertrauen gesorgt. So konnte ein Bank-Run bei uns vermieden und damals auch noch Schlimmeres abgewendet werden. Die bloße Aussage, dass unsere Spareinlagen sicher sind und der Staat für die Einlagen bürgt, hat zum Glück gereicht.

Fazit: Banken sind wichtig und machen uns alle „reicher“, da das Geld produktiv eingesetzt werden kann, die Wirtschaft wächst und nicht jeder einfach nur auf seinem Geld sitzt. Zumindest sieht das im aktuellen System so aus. Wenn aber alle ihr Geld gleichzeitig wollen, funktioniert dieses System nicht mehr.

Kommen wir aber jetzt zum eigentlichen Thema, der aktuellen Bankenkrise in 2023.

Bankenkrise 2023 – Silicon Valley Bank (SVB)

Die Silicon Valley Bank war eine recht große Bank (Platz 16 in den USA) und hatte vor allem viele Start-ups als Kunden.
Die Bank ging vor kurzem pleite und um Schlimmeres zu verhindern wurde sie von der FDIC – der amerikanischen Einlagenversicherungsgesellschaft – übernommen, geschlossen und in eine „Bridge-bank“ überführt.

Bankencrash im Silicon Valley – was ist passiert?

Die Bank hat die Einlagen ihrer Kunden zu großen Teilen in langlaufende Anleihen investiert. Das ist eigentlich eine relativ sichere Geldanlage. Allerdings hat die amerikanische Notenbank ja, um die Inflation zu bekämpfen, in recht kurzer Zeit mehrmals aggressiv den Leitzins angehoben. Dadurch fällt der Kurswert von bereits ausgegebenen Anleihen. D.h. wenn die Bank Anleihen hält, sind diese im höheren Zinsumfeld erst mal weniger wert. Das an sich ist eigentlich noch kein Problem, solange die Bank das Geld, das in diesen Anleihen geparkt ist, nicht braucht. Sie werden dann einfach bis zur Endfälligkeit gehalten und die Anlagesummer zu 100 % zurückgezahlt.

Moment! Anleihen? Langlaufend? Verändernder Kurswert? WHAT? Um das zu verstehen erst mal ein kurzer Exkurs zu Anleihen und der Versuch zu erklären, wie diese funktionieren:

Die Rolle von Anleihen in dieser Bankenkrise 2023

Um die Rolle der Anleihen im aktuellen Börsencrash zu verstehen, müssen wir erst mal grob wissen, wie so eine Anleihe funktioniert. Ich versuchs mal:

Anleihen für Anfänger:

Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung, für die der Anleger Zinsen erhält. Anleihen haben eine festgelegte Laufzeit. Je länger die Laufzeit, umso höher ist der Zins (im Normalfall). Anleihen können jederzeit an der Börse gekauft und verkauft werden. Anleihen können während der Laufzeit im Wert schwanken. So steigen die Kurse z.B. bei fallenden Zinsen. Steigen die Zinsen, so fällt der Wert. Auch Inflation und Bonität des Anleihenausgebers spielen eine Rolle.
Alles klar? Puh. Wahrscheinlich noch nicht. Ich mache mal ein Beispiel:

Nehmen wir an, ich bin Unternehmer oder ein Staat und brauche Kohle. Viel Kohle. Die Bank gibt mir nichts, oder ich will nichts von der Bank, weil mir das zu teuer wäre oder was auch immer.

Also entscheide ich mich, Anleihen auszugeben und mich auf diesem Weg direkt zu finanzieren. Diese werden dann direkt/über die Börse verkauft und haben eine bestimmte Laufzeit sowie einen festgelegten Zinssatz.
Nehmen wir an, du kaufst mir diese Anleihen ab. Du als Käufer bekommst dann quasi ein „Stück Papier“, auf dem steht, dass ich dir das Geld in X Jahren zurückgebe und ich dir jedes Jahr Y Zinsen darauf zahle. Soweit so gut.

Konkretes Beispiel: Ich gebe eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit aus und zahle 1 % Zinsen pro Jahr.
D.h. du bekommst 10 Jahre lang, jedes Jahr 1 % Zinsen auf das geliehene Geld und zum Schluss die volle Summe zurück. Sichere Sache. Oder?

Na ja, wenn ich pleite gehe, ist die Kohle weg. Das ist sozusagen das größte Risiko. Ich bin aber zuverlässig und du machst dir darüber keinen Kopf 😉

Was, wenn die Inflation in den 10 Jahren über 1 % pro Jahr beträgt? Dann verlierst du im Grunde Geld. Du bekommst zwar Zinsen, diese liegen unter deiner Rendite und du bekommst zwar die gleiche Anlagesumme zum Schluss zurück, diese ist inflationsbereinigt aber eben weniger wert. Du kannst dir also weniger dafür kaufen, als 10 Jahre zuvor. (Mehr zu Inflation hier.)

Zuletzt spielt auch noch das aktuelle Marktzinsniveau eine Rolle! (Das hat der Bank in diesem Fall das Genick gebrochen)
Was passiert nun, wenn sich das Zinsniveau schlagartig ändert und die üblichen Marktzinsen steigen? Sprich, die Zentralbanken heben den Zins an. Sagen wir, der Marktzins beträgt jetzt 2 %.
D.h. wenn ich jetzt neue Anleihen ausgeben würde, müsste ich 2 % Zinsen bieten, das würde der Markt erwarten. Darunter kauft die keiner. Punkt.

Was ist mit den alten Anleihen, die schon im Umlauf sind? Du hast ja schon meine 10-jährige Anleihe zu 1 % Zinsen gekauft? Dumm gelaufen. Du bekommst weiterhin 1 % auf das angelegte Geld. Und: der Kurs der Anleihe fällt. Warum?

Wenn du jetzt genau diese Anleihe verkaufen willst/musst und eben nicht bis zum Laufzeitende in 10 Jahren hältst, bekommst du nicht die volle Anlagesumme, da der Kurs gefallen ist. Du musst die Anleihe also etwas billiger verkaufen, damit der Käufer damit auf die jetzt am Markt übliche Rendite von 2 % kommt. Sonst nimmt dir diese Anleihe schlichtweg keiner ab.
So kommt es zu einem Kursverlust und du hast unterm Strich weniger Geld bekommen als du angelegt hast. Du merkst also: vorzeitig verkaufen ist in diesem Fall blöd.

Nochmal: Das ist nur relevant, wenn du verkaufst. Hältst du die Anleihe weiter bis zum Laufzeitende und alles läuft nach Plan, bekommst du weiterhin deine 1 % und 100 % der Anlagesumme zurück.

(Nur der Vollständigkeit halber: Wäre der Marktzins gefallen, hätten sich deine Anleihen verteuert. Bei einem Verkauf bekommst du eine höhere Summe, da der Marktzins unter deinem garantierten Zins liegt. Damit bekommt der Käufer, der mehr zahlen muss, quasi auch wieder den niedrigeren Marktzins.)

Hier noch der Zusammenhang zwischen Anleihekurs und Marktzinsniveau in einem Bild veranschaulicht:

Das Bild erklärt symbolisch über eine Wippe den Zusammenhang zwischen dem Kurs einer Anleihe und dem Marktzins. Steigt der Zins, so fällt der Kurs und andersrum.

Mit diesem Verständnis schauen wir uns mal die aktuelle Situation an. Seit Jahren (sogar Jahrzehnten) haben wir ein Umfeld eines sehr niedrigen Marktzinses. Dieser war ja sogar zeitweise negativ!

Wir erinnern uns, die Zeit der niedrigen Zinsen wurden von der letzten Banken- bzw. Finanzkrise 2007/2008 ausgelöst.

Jetzt haben wir seit einiger Zeit eine problematisch hohe Inflation. Das war in den letzten Jahrzehnten kein Thema. Diese zu bekämpfen, ist nun die Priorität der Leitbanken. Also werden die Leitzinsen erhöht. Schnell. Und immer wieder.

Wir erinnern uns an das Bild von oben. Steigende Marktzinsen verursachen fallende Anleihekurse.

Viele Banken haben ihr Geld – oder besser gesagt, das ihrer Kunden – in (langlaufende) Anleihen investiert, um das bisschen Rendite, was diese noch hergegeben haben, auszunutzen. Wenn sie das Geld jetzt dringend brauchen, müssen sie diese Anleihen verkaufen und große Verluste verkraften, oder versuchen, das Geld anderweitig zu besorgen.
Je mehr Kunden ihre Gelder abziehen, umso stärker haut das rein. Und genau das ist bei der Silicon Valley Bank passiert.

Kommen wir also nochmal zurück zur Silicon Valley Bank:

Bankenkrise 2023: Der Fall der Silicon Valley Bank (SVB) – kurz zusammengefasst

Du verstehst jetzt wie Anleihen funktionieren und warum diese eine große Rolle in der Bankenkrise 2023 spielen. Hier möchte ich nochmal kurz, in Stichpunkten, zusammenfassen, wie das bei der SVB ablief:

  • Die SVB hat einen großen Teil ihrer Kundengelder in langlaufende Anleihen geparkt, was ja im Grund OK ist.
  • Die Kunde – hauptsächlich Start-ups – haben in letzter Zeit verstärkt auf ihre Einlagen zugegriffen, weil Kredite aufgrund der höheren Zinsen teurer wurden
  • Die SVP kam dadurch etwas in Schieflage und hat dies auch an seine Kunden kommuniziert.
  • Die Nachricht hat sich schnell verbreitet und hat einen regelrechten „Bank-run“ ausgelöst. Nach dem Motto „den Letzten beißen die Hunde“ haben Kunden massiv ihr Geld von der Bank abgezogen
  • Daraufhin musste die SVB immer mehr der langlaufenden Anleihen mit Verlust veräußern und hat hierbei Milliarden „verbrannt“
  • Am 10. März 2023 wurde die Bank dann geschlossen, da sie offiziell pleite war
  • Am 13. März hat die amerikanische Einlagenversicherungsgesellschaft die Bank übernommen und in eine „Brückenbank“ überführt, um Schlimmeres zu verhindern.

Sind von der Bankenkrise 2023 noch weitere US-Banken betroffen?

Eindeutig ja!

Nach der Silicon Valley Bank ist auch noch die „Signature Bank“ kollabiert.

Auch die US-Bank „First Republic Bank“ hat sehr große Probleme.
Kunden vieler weitere „kleiner“ Banken wollten ihr Geld retten und transferierten es auf Konten bei den großen Banken. Elf dieser Großbanken griffen der First Republic Bank nun unter die Arme und versorgte diese mit 30 Milliarden USD frischem Geld. [6]

Wenn man sich die Börsencharts einiger Banken anschaut, sieht man, dass der Sektor ziemlich angeschlagen ist. Ich hab hier ein paar Fälle herausgepickt:

Vergleich Deutsche Bank und drei US Banken im 6 Monats-Chart. Man sieht den großen Verlust der US Banken
Vergleich Kursverlauf einiger Banken im Consors Chartvergleich / Bild: Screenshot consorsbank.de

Hier sieht man, dass einige amerikanische Banken an der Börse ziemlich Federn haben lassen müssen. Die Deutsche Bank steht auf Sicht von 6 Monaten im Vergleich sogar noch relativ gut da. (Auf den Börsenkurs bezogen)

Inzwischen hat die US-Regierung eingegriffen und die Absicherung der Einlagen der Kunden versprochen. Die Banken selbst sollen aber (nach aktuellem Stand) nicht gerettet werden. Das trifft also u.a. auch die Aktionäre der Bank.

Bankenkrise auch in Europa?

Das Bankenbeben hat natürlich auch andere Banken erfasst. Ein Blick auf die Börsencharts verrät hier so einiges:

Vergleich von fünf EU Banken im 1 Monats-Chart. Man sieht den großen Verlust, den diese in letzter Zeit eingefahren haben.
Vergleich Kursverlauf 1 Monat einiger EU Banken im Consors Chartvergleich / Bild: Screenshot consorsbank.de

Kurzfristig, also auf den Zeitraum bezogen, in dem die Bankenkrise 2023 eingesetzt hat, sieht es auch in Europa nicht so rosig aus. Wenn man etwas heraus zoomt, sieht man allerdings, dass EU Banken in den letzten Monaten einiges an Boden gut gemacht haben. Das haben sie jetzt wieder (teilweise) verloren:

Vergleich von fünf EU Banken im 6 Monats-Chart. Man sieht den großen Verlust, den diese in letzter Zeit eingefahren haben.
Vergleich Kursverlauf 6 Monate einiger EU Banken im Consors Chartvergleich / Bild: Screenshot consorsbank.de

Natürlich hat’s jetzt also auch die anderen Banken an der Börse zerbröselt. Es besteht die Gefahr, dass noch weitere Banken fallen. Wenn man den Bankensektor der USA mit der EU vergleicht, sieht man allerdings deutlich, dass die Banken in der EU in der letzten Zeit deutliche Kursgewinne verzeichnet haben, von denen sie jetzt noch zehren können:

Performancevergleich Chart über 6 Monate zweier EU / US Banken ETFs und MSCI ACWI ESG. Ein Chart zeigt den Absturz bei den US und EU Banken und einen relativ stabilen Verlauf beim MSCI ACWI ESG
Performancevergleich Chart über 6 Monate zweier EU / US Banken ETFs und MSCI ACWI ESG / Bild: Screenshot justETF.com

Einschub
Auch interessant: Den MSCI ACWI ESG – in den wir ja für dich, Jakob, investieren – hat das Börsenbeben besser überstanden. Natürlich gings auch dort etwas nach unten, aber deutlich milder. Ein Beispiel dafür, warum eine breite Streuung bei der Geldanlage so wichtig ist.

Zurück zu den Banken. Auch in Europa hat es eine Bank erwischt.
Die Credit Suisse, zweitgrößte Bank der Schweiz, hat die Bankenkrise nicht überlebt. Was ist hier passiert?

Bankenkrise 2023: Credit Suisse – Kurzzusammenfassung

Die Credit Suisse hat schon länger Probleme und schreibt seit Jahren Verluste. Allein 7,3 Milliarden Franken Verlust in 2022. [7]
Auch hier „flüchteten“ Kunden aus dem Unternehmen. Ein Interview, dass ein Saudi-Investor bei Bloomberg gegeben hat, hat auch nicht gerade beruhigt. [8] Auf die Frage, ob sie ihr Investment bei der Bank erhöhen würden, um der Bank zu helfen, kam ein klares Nein. Zwar wurden hier auch regulatorische Hürden mit als Grund angegeben, aber als dies die Runde machte, fiel der Aktienkurs der Bank wie ein Stein.
Das hat zu weiterem Abzug an Geldern geführt. Also auch hier hat ein Bank-Run die Bank zum Fall gebracht.

Der erste Rettungsversuch der schweizer Notenbank (50 Mrd. Franken!) schlug fehl. Die schweizer Regierung sah sich dann gezwungen, die größte schweizer Bank – die UBS – davon zu überzeugen, die Credit Suisse zu übernehmen. Bam!

Die UBS hat die CS nun für 3 Milliarden in eigenen Aktien übernommen und bekam von der schweizer Regierung noch finanzielle Unterstützung (bis zu 9 Mrd. Franken!) zugesichert, falls sie potenzielle Verluste kompensieren müssen.

Wow!

Damit war aber immerhin der Konkurs der Bank abgewendet. Hätte man die Bank fallen lassen, wäre es schwierig geworden, für die Finanzstabilität in unserem Bankensystem.

Bankenkrise 2023 – wer hat Schuld?

Diese Frage ist so eindeutig nicht zu beantworten. Den einen Schuldigen gibt es wahrscheinlich nicht.

Die Zentralbanken haben meiner Meinung nach auf jeden Fall ihren Teil dazu beigetragen. Über Jahrzehnte war der Zins um die 0 % oder teilweise sogar im Minus. D.h. Banken hatten entweder die Wahl, Kundengelder bei der Zentralbank zu parken und dafür „Strafzinsen“ zu zahlen, oder das Geld woanders wenigstens mit ein bisschen Rendite unterzubringen. Die Kunden haben ja auch keine Lust Gebühren auf ihre Einlagen zu zahlen und wollen eher noch Zinsen haben. Da blieben dann hauptsächlich langlaufende Staatsanleihen als Anlageprodukt übrig. Weil relativ sicher und immerhin ein „Mini-Zins“. Kurzlaufende Anleihen hatten auch schon einen negativen Zins.
Letztlich haben dann, wie bereits erklärt, die von den Zentralbanken stark und schnell angehobenen Zinsen (so schnell wie noch nie zuvor) dazu geführt, dass genau diese langlaufenden Anleihen riesige Verluste eingefahren haben.

Man kann also schon sagen, dass das „Verhalten“ der Zentralbanken – lange Null/Negativzinsen und spätes und dann sehr aggressives Verhalten bei der Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung – dieses Problem mit verursacht haben

Auf der anderen Seite, finde ich, kann man aber auch die Banken nicht komplett aus der Verantwortung nehmen. Schließlich verdienen die mit dem Geld der Kunden ihr Geld 😉
Dann mit zu großem Anteil auf ein Investmentinstrument – langlaufende Staatsanleihen – zu setzen, war wohl zu einfach gedacht. Die Banken, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und hier breiter diversifiziert haben, stehen eben jetzt stabiler da.

Wollen wir hoffen, dass das die Mehrheit der Banken ist.

Bankenkrise 2023 – Systemcrash voraus?

Ich bin kein Experte (abgesehen davon irren sich auch Experten häufig), allerdings muss ich zugeben, dass mich die Geschehnisse und vor allem die Geschwindigkeit, in der das alles passiert ist, schon etwas beunruhigt haben.

Genau deshalb schreibe ich diesen Blogeintrag/diese E-Mail. So setze ich mit dem Thema stärker auseinanderzusetzen und verstehe so (hoffentlich) besser, was da los ist.

Im ersten Moment hat mich das Ganze schon etwas an die Finanzkrise 2007/2008 erinnert. Allerdings war das damals schon noch eine Nummer größer. Damals war eine riesige Blase an faulen Immobilienkrediten der Auslöser, die im Grunde nichts mehr wert waren und die Banken sich gegenseitig untereinander verschachert haben.
Dieses Mal sind unter anderem, eigentlich sichere, Staatsanleihen der Auslöser, die zwar aufgrund der gestiegenen Zinsen im Wert gefallen, aber nicht wertlos sind! D.h. solide Banken mit weiteren Rücklagen und profitablem Geschäft können das aktuell verkraften.

Die Situation ist also schon etwas anders als damals. Dazu kommt: Man hat aus der Finanzkrise gelernt und auch die Regierungen und Zentralbanken reagieren schnell. Wobei diese jetzt den Spagat zwischen Bankenrettung und Inflationsbekämpfung hinbekommen müssen.
Die amerikanische Notenbank hat diese Woche die Leitzinsen zwar nochmals angehoben, um die Inflation zu bekämpfen, allerdings weniger stark als ursprünglich angenommen.

Es bleibt also spannend. Einen Totalausfall sehe ich aktuell nicht, aber wenn noch weitere Schwierigkeiten dazu kommen, könnte es eng werden. (Achtung: Persönliche Meinung)

Die Frage ist nun: Was machen wir? Können wir überhaupt etwas tun? Und was passiert mit unserem (bzw. deinem) Kinderdepot?

Bankenkrise 2023 – Blick ins Kinderdepot

Wir haben ja weiter oben schon gesehen, dass vor allem der Bankensektor ziemlich abgeschmiert ist. Allerdings haben sich viele Banken auch schon wieder vom größten Schock erholt und die Kurse sind wieder etwas geklettert.

Auf den weltweit breiten Aktienmarkt bezogen war der Verlust deutlich geringer. Auf einen Monat gesehen ist dein sehr breit diversifiziert aufgestelltes Depot, Jakob, um ca. 2,7 % gefallen. In breit gestreuten Aktien ETF’s wie dem MSCI World war z.B. die Silicon Valley Bank zwar auch enthalten, hatte aber nur ein Gewicht von nicht einmal 0,1 %. Das ist der Vorteil, wenn man gleichzeitig in tausende Unternehmen investiert und nicht nur in einige. Das Risiko einzelner Firmenpleiten fällt nicht so ins Gewicht.

Zoomen wir auch in deinem Depot auf sechs Monate heraus, so steht hier eine Performance von immerhin noch knapp +0,9 % zu Buche.

Ist nun Gefahr im Verzug? Sollten wir uns Sorgen machen?

Ich denke nicht. Zumindest nach aktuellem Wissensstand.

In Deutschland sind Spareinlagen bis zur Höhe von 100.000 € über den Einlagensicherungsfonds abgesichert. (Davon sind wir meilenweit entfernt ;)).

Aktien, ETFs und Fonds sind darüber hinaus Sondervermögen. D.h. diese gehören dir! Die Bank verwahrt es nur für dich und hat darauf keinen Zugriff. D.h. selbst wenn ausgerechnet die Bank, bei der dein Erspartes und deine ETFs liegen, pleitegehen sollte, so ist dein Investment nicht verloren. Es würde auf ein anderes Depot bei einer anderen Bank transferiert und fertig. Spareinlagen auf dem Verrechnungskonto sind bis 100.00 € ja auch abgesichert.

Natürlich würde einiges an Papierkram auf uns zukommen, aber rechnen wir jetzt mal nicht mit dem Schlimmsten!

Wir ändern also nichts an unserer Anlagestrategie. Wie in E-Mail #8 an dich erklärt, gab es schon immer Krisen. Mit unserem sehr langfristigen Anlagehorizont und breiter Diversifikation kommen wir da schon durch.

Einmalanlage trotz Bankenkrise 2023 – Happy Birthday!

Du hast mitten im Bankenkrisen-Monat März deinen 2. Geburtstag gefeiert! Happy Birthday!

Auch dieses Mal gab es etwas Geld geschenkt. Dieses haben wir natürlich sofort auf dein Konto einbezahlt und mit Ausführung zum 21.03.2023 verteilt in drei deiner ETFs investiert. Der größte Teil ging in den MSCI ACWI ESG, ein Drittel in den ARERO Fonds und ein kleiner Teil noch in den Global Real Estate ETF.

Damit bleiben wir unserem Motto treu, so früh wie möglich zu investieren und lieber möglichst lange im Markt investiert zu sein, als zu versuchen diesen zu timen. Vielleicht haben wir ja Glück und die Bankenkrise 2023 ist schon wieder vorbei oder wird bald gelöst, dann haben wir etwas günstiger eingekauft.

Deine Sparpläne laufen automatisch weiter. Ich halte dich natürlich wie immer weiter auf dem Laufenden.

Dein Papa


PS: ++++ UPDATE ++++ 29.09.2023

Hallo lieber Jakob,

ich wollte dir zu diesem Beitrag, der vor ca. 4 Monaten entstanden ist, ein Update geben. Etwas ungewöhnlich für eine E-Mail, aber ich glaube, es macht bei diesem Thema schon mal Sinn. 😉

Bankenkrise 2023 – ein Update zur 2. Jahreshälfte

Inzwischen ist es deutlich ruhiger um das Thema „potenzielle Bankenkrise“ in 2023 geworden. Es gab hier und da zwar noch Probleme, vor allem in den USA, aber der große „Systemcrash“ den so mancher Crashprophet vorhergesagt hat, ist – zumindest bis jetzt – ausgeblieben. (Was nicht ist, kann ja noch werden, auch wenn ich persönlich nicht daran glaube).

Was ist passiert, seitdem im März der große Bankenuntergang befürchtet wurde? Schauen wir uns mal an, wie sich der Bankensektor seither weiterentwickelt hat:

Performancevergleich Chart über 10 Monate zweier EU / US Banken ETFs und dem MSCI ACWI ESG. Ein Chart zeigt den Absturz bei den US und EU Banken und einen relativ stabilen Verlauf beim MSCI ACWI ESG bzw. zum späteren Zeitpunkt deren Erholung
Performancevergleich Chart über 10 Monate zweier EU / US Banken ETFs und MSCI ACWI ESG / Bild: Screenshot justETF.com

Weiter oben habe ich denselben Chart schon mal gezeigt, nur hat dieser eben gegen Ende März geendet. Jetzt, 4 Monate später, wissen wir, dass alles gar nicht soooo tragisch war und sogar eher eine Erholung eingesetzt hat. Schauen wir uns dazu nur die letzten Monate von Ende März bis Ende Juli an, sieht man das ganz deutlich:

Performancevergleich Chart über 4 Monate (März-Juli 2023) zweier EU / US Banken ETFs und dem MSCI ACWI ESG. Ein Chart zeigt den weiteren Verlauf eines Absturzes, der zuvor eingeleitet wurde bei den US und EU Banken und einen relativ stabilen Verlauf beim MSCI ACWI ESG, sowie deren Erholung
Performancevergleich Chart über 4 (März-Juli 2023) Monate zweier EU / US-Banken ETFs und MSCI ACWI ESG / Bild: Screenshot justETF.com

So haben sich die US-Banken, gemessen am S&P US Banks Index, nach einer weiteren Erschütterung im Mai, bezogen auf Ende März bis heute um knapp 12 % erholt. Auch die EU Banken, die im EURO STOXX Banks Index enthalten sind, haben seither ein nettes Plus von knapp 15,5 % hingelegt.

Der MSCI ACWI ESG, den wir ja für dich besparen, war stabiler und hat sich mit knapp 13 % im ähnlichen Rahmen positiv entwickelt.
D.h. wir hatten hier nicht das Risiko einer einzelnen Branche – der Banken – da dieser ETF sehr breit gestreut ist. Von der gesamthaften positiven Entwicklung an den Börsen konnten wir trotzdem profitieren.

Das zeigt einfach nochmal, dass eine breite Diversifikation wichtig und sinnvoll ist. Aber das „predige“ ich ja immer wieder 🙂

So viel zum kurzen Update. Ich mache demnächst mal wieder ein Update zu deinem Depot und so viel sei schon mal verraten: aktuell bist du wieder im Plus! Wohoo!

Dein Papa


Nachwort

Lieber Blog Leser. Dieser Eintrag ist als E-Mail an meinen Sohn zu verstehen, welche ich gerne mit dir teile. Ich hoffe, dass ich dich damit habe informieren und inspirieren können und du auch eine langfristige Geldanlage für dein Kind in Angriff nimmst.

Wenn du auch ein Depot für ein Kind eröffnen willst und es dich interessiert, über welche Bank ich für Jakob ein sogenanntes Kinderdepot (auch Junior Depot) eröffnet habe, so schau gerne in meine kurze Übersicht: was ich nutze.

Du willst etwas Gutes für dein Kind tun und auch mit dem langfristigen Investment anfangen? Dann schau dir „Geldanlage für Kinder Schritt für Schritt“ auf meiner Startseite an. Warte nicht zu lange. Zeit ist Geld, wie ich in der ersten E-Mail an Jakob schon gezeigt habe.

Disclaimer

Beim Erstellen meiner Blogeinträge greife ich auf meine Erfahrung und mein angesammeltes Wissen, sowie aktuelle Recherche zurück und gebe auch gerne einen Einblick in mein konkretes Handeln. Ich teile hier öffentlich eine E-Mail an meinen Sohn. Dies ist keine Anlageberatung. Historische Renditen sind keine Garantie für die mögliche zukünftige Entwicklung. Lies bitte auch mehr dazu hier.
Fehler können passieren (z.B. bei Berechnungen), falls du einen findest, so weise mich gerne darauf hin.

Quellen & weiterführende Links

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Weltfinanzkrise_2007-2008

[2] https://www.deutschlandfunk.de/usa-bankenkrise-silicon-valley-bank-pleite-100.html

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Silicon_Valley_Bank

[4] https://zendepot.de/aktien-boerse-anfaenger/anleihen/

[5] https://www.fdic.gov/resources/resolutions/bank-failures/failed-bank-list/silicon-valley.html

[6] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bankenkrise-bankenkollaps-banken-svb-credit-suisse-finanzkrise-liquiditaet-finanzspritze-101.html

[7] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/credit-suisse-verlust-schweiz-1.5748302

[8] https://www.bloomberg.com/news/videos/2023-03-15/top-credit-suisse-shareholder-rules-out-increasing-stake

1 Gedanke zu „Bankenkrise 2023 erklärt und was wir jetzt tun…(#11)“

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