ETF – wie finde ich den richtigen?

Exchange Traded Funds - ETF erklärt

Du willst einen ETF Sparplan für dein Kind starten, möchtest aber noch etwas mehr zum Thema ETF wissen? Ich habe in meinem Artikel „Geldanlage für Kinder“ schon grob erklärt, was ein ETF ist. Vielleicht hast du diesen gelesen und du hast quasi Blut geleckt. Jetzt willst du natürlich wissen, wie ich die meiner Meinung nach „richtigen“ ETF für mein Kind ausgewählt habe?

Hier will ich dir auf verständliche Art und Weise erklären, was so ein ETF ist und worauf ich beim Investieren für mein Kind (und mich selbst) achte. So ein ETF Sparplan für Kinder ist zwar sehr schnell aufgesetzt, allerdings benötigst du für die Auswahl des „für dich“ richtigen ETFs schon etwas mehr Hintergrundwissen. Ist es mit einem ETF überhaupt getan, oder sollten es vielleicht verschiedene sein?

In diesem Artikel werden gezwungenermaßen einige Fachbegriffe auftauchen. Lass dich davon nicht verunsichern, ich werde sie allgemein verständlich erklären. Falls mir das nicht gelingt, lass es mich über die Kommentare wissen und ich bessere nach! Versprochen!

Wenn du diesen Artikel gelesen hast, wirst du wissen, worum es sich bei einem ETF handelt und wie du den oder die richtigen für deinen Zweck finden kannst. Ob du einen ETF Sparplan für dein Patenkind, dein eigenes Kind oder Enkelkind (oder sogar dich selbst) eröffnen willst spielt hierbei keine Rolle.

Also, legen wir los…!

Schnelldurchlauf: Was ist ein ETF?

Ich habe das Thema ETF hier schon einmal grob erklärt und will das hier nicht identisch wiederholen. Ich versuche es deshalb im Schnelldurchlauf 😉

ETF = „Exchange Traded Funds“

Das bedeutet nichts anderes, als dass es sich um „Börsengehandelte“ („Exchange Traded“) Fonds („Funds“) handelt. Alles klar? 😉

Fonds = eine Art „Warenkorb“. In unserem Fall sind in diesem Warenkorb nicht Äpfel und Birnen, sondern Wertpapiere (Aktien). Welche? Das hängt dann vom „Index“ ab, den dann ein ETF abbildet.

Argh, was ist jetzt schon wieder ein Index??? Das Beispiel des DAX-Index habe ich ja schon im anderen Artikel ausgelutscht, also gehen wir mal weg von diesem deutschen Mini-Index, in dem die 40 größten deutschen Börsenunternehmen zusammengefasst wurden und denken etwas größer. Viel größer. Wie wäre es denn gleich mit der ganzen Welt?! (Naja, zumindest der „investierbaren“ Welt)

Größenwahnsinnig geworden? Nein… Du kannst schon ab 10 € im Monat Anteile eines ETF kaufen, in dem Aktien von tausenden börsennotierten Unternehmen weltweit stecken. Das sieht dann so aus:

Weltweit anlegen per ETF. Der MSCI ACWI ermöglicht das. Dieses Bild veranschaulicht, dass bei einem ETF, der auf den ACWI Index basiert, tausende Unternehmen in einem Fonds zusammengefasst werden und so leicht handelbar sind. Im Bild sieht man eine Weltkarte, Einzelaktien und einen Korb, in dem die Aktien gesammelt als ETF abgebildet werden.
Bildliche Darstellung einer Beispielzusammensetzung eines „Welt ETF“, wie dem MSCI ACWI – All Country World Index ETF – (Abbildung der kompletten Weltkarte zur vereinfachten Darstellung. ACWI deckt nicht 100% aller Länder der Welt ab. Mehr Details siehe [1].)

Im MSCI ACWI ETF stecken aktuell ca. 2.895 Aktien der größten Unternehmen weltweit. Beim Indexanbieter (z.B. MSCI [1]) kannst du dir genau anschauen, was drin steckt. Die größten Positionen stellen aktuell Apple, Microsoft, Amazon, Tesla, Alphabet (Google), Nvidia, Facebook (Meta) usw. dar.

Gibt es noch andere Indizes? Jupp. Sogar tausende!
Es gibt neben Länder und Welt Indizes z.B. auch noch Indizes auf bestimmte Branchen, Sektoren, Trends usw. (z.B. Erneuerbare Energien, Wasserstoff, Digital Security, …)

Puh, wie soll ich da den richtigen finden? Immer mit der Ruhe, dazu kommen wir noch, erst mal sollten wir etwas besser verstehen, wie so ein Index „funktioniert“.

Wie setzt sich ein Börsen-Index zusammen?

Im Grunde bestimmen Indexanbieter, wie MSCI (Morgan Stanley Capital Investment), FTSE Group, STOXX limited und viele mehr [2] die Zusammensetzung und Regeln eines Wertpapier-Index.

Diese Anbieter schnüren Aktienindizes nach bestimmten Kriterien, je nachdem, was eben abgebildet werden soll. Im Detail kann man das auf deren Seiten nachlesen. Wenn z.B. ein Index auf die 40 größten börsengehandelten Unternehmen in Deutschland aufgelegt werden soll, (da sind wir wieder bei unserem DAX), dann werden die 40 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung (Marktwert) dort aufgenommen.

Marktkapitalisierung = Marktwert des Unternehmens: Anzahl der sich im Umlauf befindenden Aktien, multipliziert mit dem aktuellen Kurs.

Ganz oben auf der Liste steht dann das wertvollste Unternehmen. In Deutschland ist das aktuell Linde. [3] Weltweit betrachtet ist das wertvollste Unternehmen aktuell Apple. [4] Das kann sich aber, wenn du das hier liest, schon wieder geändert haben 😉

Wenn ein Unternehmen die Index-Kriterien nicht mehr erfüllt, so fliegt es raus und ein anderes rückt nach. Ein bisschen, wie bei der Bundesliga 🙂

Diese Dynamik innerhalb des Index spiegelt im Grunde nur das wahre Leben wider. Selbst Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, hat neulich davon gesprochen, dass er davon überzeugt ist, dass Amazon irgendwann untergeht. [5] Blöd, wenn man dann noch Amazon Aktien besitzen würde. Bei einem ETF, der eben einen Index mit gewissen Kriterien und Regeln abbildet, wird irgendwann Amazon automatisch verkauft (dann, wenn die Aktie aus dem Index fliegt) und eben der neue aufstrebende Star gekauft. So musst du dich nicht um das Schicksal einzelner Unternehmen kümmern. Es wird wenns dumm läuft einfach gegen ein anderes ausgetauscht, welches dann für dich langfristig die Rendite macht.

Das heißt nicht, dass ein ETF nicht auch fallen kann, wenn sich einfach der Gesamtmarkt schlecht entwickelt! Ein Verlustrisiko besteht kurzfristig trotzdem immer. Allerdings sind Einzelunternehmensschicksale bei sehr breit aufgestellten ETF eher irrelevant. Schauen wir uns trotzdem das Thema Risiken nochmal etwas genauer an:

Risiken – welche gibt es? Wie kannst du Risiken minimieren?

Zunächst ein mal sei gesagt, dass sehr viele ETF (wahrscheinlich die Meisten), für unser gemeinsames Ziel, langfristig ein Vermögen für unseren Nachwuchs aufzubauen, nicht geeignet sind.

Warum?

Wir wollen maximale Streuung und an der Wirtschaftsleistung weltweit teilnehmen, um das Risiko, durch Diversifikation, soweit möglich zu reduzieren.

Sehr viele ETF sind aber auf spezielle Strategien ausgelegt und damit deutlich kleiner. Du kannst dich natürlich auch in ein solches Feld wagen, wenn du dich dort auskennst und sicher bist, dass das Thema das Richtige ist. Wenn du z.B. davon überzeugt bist, dass „erneuerbare Energien“ die Zukunft dominieren werden und den Gesamtmarkt in ihrer Entwicklung deutlich schlagen werden, dann go for it! Es gibt hier z.B. einen „Global Clean Energy“ ETF. ABER: du holst dir damit ein Mega Risiko ins Boot. Warum? In diesem ETF sind nur ca. 100 Unternehmen enthalten. D.h. wenn da ein paar Firmen hops gehen, schlägt das deutlich stärker zu Buche, als bei einem weltweiten ETF mit 2800 Unternehmen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Risiken, die die gesamte Branche bzw. Strategie, die der ETF abbildet, betreffen könnte. Dann geht es so richtig nach unten (habe ich selbst erlebt). Deshalb würde ich es nicht empfehlen, in einen so spezialisierten ETF zu investieren. Du darfst natürlich anderer Meinung sein. Komm dann aber nicht zu mir und sage, ich hätte dich nicht gewarnt 😉

Ist dann ein breit gestreuter Welt ETF ohne Risiko? Leider Nein.

Natürlich haben wir bei dem am breitesten gestreuten ETF immer noch das Risiko, dass der gesamte Markt abschmiert. Allerdings muss hier schon etwas Größeres passieren und die gesamte Wirtschaft schwächeln. So etwas passiert zum Glück nicht allzu oft und wenn, sind dies tolle Kaufgelegenheiten, du bekommst quasi ETF Anteile mit Rabatt.
Im „Krisenfall“ kann es schon mal 50 % oder mehr runtergehen! Aber ein Totalverlust ist bei einem Welt ETF für mich eigentlich nicht vorstellbar. Dazu müsste die komplette Weltwirtschaft vor die Hunde gehen und dann hätten wir ein ganz anderes Problem, als den ETF Sparplan unseres Sprösslings…

Du, bzw. dein Nachwuchs, braucht im „Crashfall“ dann eben einen etwas längeren Atem, und sollte investiert bleiben und weiter nachkaufen/besparen, bis sich das Ganze erholt hat.
Das größte Risiko, das ich sehe, ist ein zu kurzer Anlagehorizont. Da du aber sehr langfristig für dein Kind anlegst und dieses erst mal über viele Jahre gar nicht an das Geld kommt, reduzierst du das Risiko realisierter Verluste.

Also, wir einigen uns auf ein Investment in die ganze Welt per ETF, maximal breit gestreut, über einen laaangen Anlagezeitraum. Du kannst dich später, wenn du dich mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hast, immer noch spezialisieren und andere ETF hinzufügen.

So, kommen wir nun zur ETF Auswahl/Suche…. Wie mache ich das?

Die ETF Suche beginnt…

…mit der passenden „Suchmaschine„.

Du kannst normalerweise auch über deinen Broker, (quasi die Bank, die für dich Finanztransaktionen an der Börse durchführt), die ETF nach bestimmten Kriterien filtern und dessen Suche verwenden. Wie gut diese zu handhaben sind, hängt vom jeweiligen Broker ab. Ich gehe in der Regel einen anderen Weg.

Wenn ich mir einen passenden ETF suchen möchte, greife ich auf eine der beiden größten „ETF Seiten“, die ich kenne, zurück:

  1. https://www.justetf.com/de/ – Aktuell mein persönlicher Favorit (Nutzerfreundlich, ist bei mir schon länger im Einsatz). Hier gibt es die Möglichkeit zur ETF Suche, Anzeige von Beispielportfolios, Übersicht existierender ETF etc.
  2. https://de.extraetf.com/ – Eine Alternative, die im Grunde dasselbe macht. Schau sie dir gerne auch mal an, vielleicht sagt dir ja diese eher zu, was z.B. Bedienbarkeit betrifft.

Wenn du etwas über eine der beiden ETF Seiten browst, wirst du dich wahrscheinlich von der Vielzahl an ETF erschlagen fühlen! Keine Sorge, wir schaffen das gemeinsam 😉

Wir haben uns ja vorher schon auf einen möglichst breit gestreuten Welt ETF geeinigt. Bei der Suche nach diesem Welt ETF (z.B. MSCI ACWI) wirst du auf verschiedene ETF Anbieter stoßen. Welcher ist aber nun der Richtige? Folgende Kriterien sind für mich wichtig, um eine Auswahl treffen zu können:

Anmerkung: Ich habe auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du justETF zur Suche nutzen kannst und wo du entsprechende Informationen findest, veröffentlicht. Lies aber unbedingt erst noch diesen Artikel zu Ende, damit du schon etwas Grundverständnis hast.

Meine 7 Auswahlkriterien bei der ETF Suche

Bevor ich mich für einen ETF entscheide, müssen für mich (zumindest die meisten der) sieben Auswahlkriterien erfüllt sein. Ich stelle diese Kriterien jetzt zunächst vor und dann gehen wir diese gemeinsam anhand eines Beispiels durch.

1. Auf den Index kommt es an, der ETF Anbieter kommt danach

Wie bereits weiter oben erklärt, muss ich mir erst im Klaren darüber sein, welcher Index zu meinem Investmentvorhaben passt. z.B. All Country World Index. Erst danach kann ich mir anschauen, von welchem ETF Anbieter ich einen entsprechenden ETF bespare..

Große ETF Anbieter sind z.B.:

  • iShares
  • Lyxor
  • Vanguard
  • DWS

Spielt aber eigentlich keine Rolle, weil der „richtige“ Anbieter über die weiteren Kriterien, die jetzt noch kommen „automatisch“ ausgewählt wird.

2. Wie wird mit Erträgen umgegangen? Ausschüttung vs. Thesaurierung

Oh Mann. ThesauWAS? Ausschüttend? Was ist das jetzt schon wieder? Auch das erkläre ich dir in aller Kürze:

Dein Investment in ETF wird Erträge generieren. Das wollen wir ja auch! 😉 Erträge ergeben sich aus Dividenden (Gewinnausschüttungen), die die Aktienunternehmen ihren Aktionären bezahlen („ausschütten„). Der ETF beinhaltet vielen Aktien. Deinem Kind gehören die ETF Anteile, also eben auch die Erträge, die die einzelnen Unternehmen auszahlen. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie ein ETF mit diesen Erträgen umgeht:

  1. Ausschüttung: Die Erträge werden, wie der Name schon sagt, an den ETF Halter ausgeschüttet. Sprich ausbezahlt. Hält dein Kind einen solchen ETF, so bekommt es das Geld Cash aufs Konto überwiesen.
  2. Thesaurierend: Die Erträge werden nicht in Cash ausbezahlt, sondern reinvestiert. D.h. die Erträge sind trotzdem vorhanden und stehen deinem Kind auch zu, allerdings bleiben diese direkt im ETF und führen dadurch zu einem höheren Wert des ETF.

Langfristig gesehen ist die 2. Variante meiner Meinung nach die Bessere! Nur wenn die Erträge reinvestiert werden, kommt es zum Zinseszinseffekt, der uns langfristig mehr Rendite bringt. Natürlich könnte man auch auf ausschüttende ETF setzen und jedes Mal die ausgezahlte Summe „per Hand“ wieder in den ETF investieren. Dies ist aber aufwändiger und wird vielleicht nicht konsequent durchgezogen. Ich bin faul und liebe Automatismen ;). Außerdem gibt es noch eine steuerliche Unterscheidung, die jetzt hier aber zu weit führt. [6]

Also, ich bin ein Fan von thesaurierenden ETF.

3. Zusammensetzung des ETF – was genau ist drin?

Hier prüfen wir, ob wir auch wirklich das bekommen, was wir wollen. Konkret wollen wir für das Kind einen ETF besparen, der weltweit in Aktienunternehmen investiert. Du findest vielleicht bei der ersten Google-Suche einen ETF, der sich „MSCI World“ nennt. TOP! Schon haben wir unseren Welt-ETF, oder? Nope… Wenn wir genauer reinschauen, so beinhaltet dieser nur Unternehmen der Industriestaaten. Allen voran den USA.

Also lohnt sich auf jeden Fall ein genauerer Blick auf die Zusammensetzung, um sicherzugehen, dass wir auch das bekommen, was wir ursprünglich wollten.

4. Replikationsmethode – Physisch, optimiertes sampling oder synthetisch (SWAP)

Au weia. Jetzt wird es wieder technisch und schon wieder so ein komplizierter Begriff: Replikationsmethode. Was ist das schon wieder?

Im Grunde beschreibt diese, wie der ETF den Index abbildet. Dazu gibt es drei Methoden: [7]

  1. Physische Voll-Replikation: hier werden (fast) alle Aktien des Index „physisch“ gekauft, dieser also so realitätsgetreu wie möglich abgebildet.
  2. Optimiertes Sampling: Auch hier werden Aktien „physisch“ erworben und sind somit im ETF, allerdings werden hier vom ETF Anbieter optimiert „samples“ (zu Deutsch „Stichproben“) gekauft. D.h. kleinere Werte, die vielleicht auch schwer handelbar sind, sind nicht physisch enthalten, sondern nur eine „repräsentative Untermenge“. Das macht die Verwaltung normalerweise einfacher und damit kostengünstiger, ohne eine große Auswirkung auf die Wertentwicklung im Vergleich zum Index zu haben.
  3. Synthetische Replikation, oder auch SWAP ETF: jetzt wirds kompliziert. Hier wird nicht direkt in Aktien investiert, sondern über einen SWAP (zu Deutsch „Tauschgeschäft“) mit einem Tauschpartner (z.B. Kreditinstitut) über Derivate der Verlauf des ETF abgebildet.

Musst du das alles im Detail verstehen? Eigentlich nicht, da alle drei Arten dir eine relativ ähnliche Entwicklung, bzw. Abbildung des Index, bescheren. Allerdings bin ich persönlich kein Fan von SWAP ETF. Hier halte ich die Aktien nicht physisch und hab somit im Falle einer Bankenpleite evtl. ein Problem (sogenanntes „Kontrahentenrisiko“). Deshalb würde ich immer zur physischen (Voll)Replikation oder optimiertem Sampling tendieren.

5. ETF Größe (Fondsvolumen)

Jetzt wirds wieder einfacher. Das Fondsvolumen sagt lediglich aus, wie viel Geld in diesem ETF investiert ist. Je mehr, umso besser, da dann ein längeres Bestehen des ETF gesicherter ist.

Ja, ein ETF kann auch mal aufgelöst werden. So ist es mir mal mit einem Südafrika ETF ergangen. Der Fonds wurde irgendwann zu klein, weshalb der Anbieter diesen aufgelöst hat. Im Grunde ist auch das nicht tragisch. Ich habe damals ein paar Monate zuvor eine Benachrichtigung bekommen und hatte so die Wahl selbst den ETF zu verkaufen, oder eben bis zur Auflösung zu warten. Das Geld wurde mir dann automatisch gut geschrieben.

Trotzdem würde ich das gerne bei den ETF meines Sohnes vermeiden. Schließlich wird der Fonds „verkauft“ und ein möglicher Gewinn realisiert. Das könnte eine Steuerzahlung nach sich ziehen… Und ich muss wieder was Neues suchen.

Also unser Ziel: Fondsvolumen > 100 Mio Euro. Je mehr, umso besser 😉

6. Kosten des ETF (TER)

Ja, wie alles im Leben kosten eben auch ein ETF etwas. Der ETF Anbieter muss ja auch von irgendetwas leben und er hat ja auch zugegebenermaßen etwas Arbeit mit dem Thema. Die Gute Nachricht: Im Vergleich zu anderen Investment-Fonds (die dir dein Bankberater gerne verkauft) sind ETF meist sehr günstig. Zahlt man für einen aktiv gemanagten Fonds bei der Bank schnell mal 1,5 % – 2,5 % Verwaltungsgebühr im Jahr, so sind das bei ETF auch mal um den Faktor 10 weniger. Ein Welt ETF startet bei 0,2 % TER = Total Expense Ratio.

Die Gesamtkostenquote (TER) beinhaltet alle Verwaltungskosten eines ETF und sind im Factsheet bzw. bei der ETF Suche in der Übersicht zu finden. (Dazu kommen wir noch).

7. Mögliche zusätzliche Kosten bei meinem Broker und ETF Verfügbarkeit (Sparplan)

Neben den TER des ETF Anbieters kann es auch sein, dass der Broker – also die Bank, bei der du das Depot eröffnet hast und deine Käufe/Verkäufe an die Börse „vermittelt“ – eine kleine Gebühr verlangt. Inzwischen ist diese bei Sparplänen eher selten. Gelegentlich wird noch eine einmalige Kaufgebühr, den sogenannten Ausgabeaufschlag, berechnet. Beim Sparplan wird diese aber dann mit jeder Ausführung einbehalten. Es handelt sich ja jedes Mal um einen separaten Kauf. Ab dann zählt aber nur die TER des ETF.

Ich persönlich versuche den Ausgabeaufschlag, wo möglich, zu vermeiden. Leider ist das nicht immer so einfach, weil ich dann einen alternativen ETF wählen müsste, der dann teurer ist (TER). Und das würde über die Jahre evtl. stärker zu Buche schlagen als die einmalige Kaufgebühr.

Du kannst das schnell mit dem Fondsrechner von „Zinsen Berechnen“ prüfen.

Der dann ausgewählte ETF muss nur noch bei deinem Broker verfügbar sein. Es kommt manchmal vor, dass nicht alle ETF gekauft werden können. Dann geht die Suche eben wieder von vorne los. Oft passiert das allerdings nicht. Auch diese Information findest du leicht bei JustETF/ExtraETF.

Bonusfrage: Wie genau wird der Index abgebildet? (Tracking)

Für die ganz genauen unter euch: Wenn alle obigen Kriterien zu meiner vollen Zufriedenheit abgedeckt sind, schaue ich mir noch den „Tracking Error“ an.

Wie ich schon erklärt habe, bildet ein ETF einen Index so gut wie möglich ab. Im Factsheet des ETF findet man in der Regel einen Vergleich der Performance des ETF und der des darunter liegenden Index. Aus dem Unterschied kann ich nun den Tracking Error ableiten.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, der ETF hat im letzten Jahr einen Zugewinn von 7,1 % erzielt, der darunter liegende Index aber 7,2 %. D.h. mein Tracking Error beträgt in diesem Fall 0,1 %. Diesen Wert kann ich nun mit anderen ETF auf denselben Index vergleichen und somit den ETF mit dem geringsten Unterschied zum Index finden.

Lohnt sich das? Hmm, gute Frage. Ich habe bisher nur grob über den Tracking Error geschaut. Wie weit du das treiben möchtest, bleibt dir überlassen. Ich wollte es aber der Vollständigkeit halber erwähnen.

Zusammenfassung & Checkliste

Hier nochmal meine 7 (+Bonus) Auswahlkriterien für Dich als Checkliste zusammengefasst:

Checkliste: Auswahlkriterien, um den richtigen ETF zu finden. Ob nun Sparplan für Enkel, Sparplan für Patenkinder oder ETF Sparplan allgemein....
Checkliste meiner Auswahlkriterien für ETF – Nicht nur für den Kindersparplan geeignet

Die Werte dazu findest du auf den Seiten der o.g. „ETF Suchmaschinen“ und in den sogenannten „Factsheets“, die du auch dort findest. Diese Factsheets solltest du auf jeden Fall komplett lesen und dir auch Gedanken zu eigenen, weiteren Kriterien machen, bevor du eine Investitionsentscheidung triffst.

Siehe zur Verdeutlichung, wie ich diese Kriterien anwende, folgendes Beispiel:

Auswahlkriterien anhand eines Beispiel-ETF

Für Jakob besparen wir z.B. den „Xtrackers MSCI AC World ESG Screened UCITS ETF 1C“ (Keine Anlageempfehlung). Bei diesem ETF wird sozusagen zusätzlich ein Nachhaltigkeitsfilter angewendet und Investitionen in Firmen, die diesen Kriterien nicht entsprechen, ausgeschlossen.

Die benötigten Werte für unsere Checkliste der Auswahlkriterien findest du z.B. auf der Seite von justETF, ergänzt um das „Factsheet„. Das Factsheet ist ein PDF Dokument des ETF Herausgebers, welches dir einen detaillierten Überblick über das Anlageprodukt verschafft. Du findest das Factsheet auch auf der Produktseite bei justETF.

Screenshot von justETF zu Risiko und Kosten des Xtrackers MSCI AC World ESG ETF. Es werden Kennzahlen, wie Fondsgröße, Replikationsmethode, TER etc. des ETF dargestellt
Beispiel ETF Kennzahlen des Xtracker MSCI ACWI ESG Screened – Quelle: Screenshot www.justetf.com/de

Meine Auswahlkriterien, auf dieses Beispiel angewendet, im Überblick:

Auswahl des Index:ACWI ESG -> OK
Etragsnutzung:Thesaurierend -> OK
ETF Zusammensetzung:~2000 Unternehmen Weltweit -> OK
Replikationsmethode:Physisch (Optimiert) -> OK
Fondsvolumen:1.382 Mio. € -> OK
TER:0.25% – Vergleich mit anderen ETF durchgeführt -> OK
Zusätzl. Kosten?Kostenloser Sparplan bei meinem Broker -> OK
Tracking Error:Aktuelles Jahr OK. (Leider keine historischen Daten vorhanden)
Tabelle 1: Prüfung meiner Auswahlkriterien anhand des Beispiel ETF „Xtrackers MSCI AC World ESG Screened UCITS ETF 1C“

Ich hoffe, dieses Beispiel hilft dir etwas, die Checkliste zu den Auswahlkriterien bei der ETF Suche, anzuwenden. Falls aus deiner Sicht etwas fehlt, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Damit kannst du nun auf die Suche des, bzw. der, richtigen ETF für deinen Nachwuchs gehen. Wie ich das genau mache, habe ich an diesem Beispiel in einer Anleitung zur ETF Suche bei justETF beschrieben.

Einer oder mehrere? Die Gewichtung verändern durch mehrere ETF

Moment mal. Brauche ich etwa mehrere von diesen Dingern? Nicht unbedingt. Soll dein Kind an der Weltwirtschaft partizipieren, so ist der „MSCI ACWI“ Index, oder um noch eine Alternative ins Spiel zu bringen der „FTSE All World“ Index, die wahrscheinlich beste „Ein-ETF”-Lösung. Beide Indizes haben eine ähnliche Zielsetzung und Zusammenstellung. So sind vor allem Industriestaaten sehr stark in diesen ETF gewichtet, allen voran die USA mit ca. 60 %. Die Schwellenländer (Emerging Markets) liegen aktuell bei ca. 12 % Gewichtung.
Und das kann auch absolut OK sein und für dich passen. Schließlich machen viele der US-amerikanischen Firmen auch weltweit Geschäfte. So werden z.B. Apples iPhones auch in Schwellenländern gekauft, was bedeutet, dass man als Aktionär nicht nur an der US-Wirtschaft teil hat. Trotzdem kannst du der Meinung sein, dass du gerne mehr Gewicht auf Schwellenländer legen möchtest.
Oder du bist z.B. überzeugt, dass Europa stärker wachsen wird und du möchtest deshalb dort stärker investiert sein. Hier kämen dann mehrere ETF ins Spiel.

Wenn du dir noch unschlüssig bist, kannst du erst mal mit einem ETF loslegen und dir dann über die Zeit, wenn du mehr Erfahrung und Wissen gesammelt hast, Gedanken zu weiterer Diversifikation bzw. Gewichtung machen. Du kannst aber natürlich auch sofort auf mehrere ETF setzen.
Lass uns mal an einem Beispiel betrachten, wie das dann aussehen könnte.

Beispiel: Sagen wir, du willst für dein Kind etwas stärker in Schwellenländer investieren, weil du überzeugt bist, dass dort langfristig das Wachstum, das der etablierten Industriestaaten, übersteigen wird. In diesem Fall kannst du einfach den „Welt ETF“, z.B. einen MSCI ACWI, kaufen und noch zusätzlich zu kleinerem Anteil einen Emerging Markets (Schwellenländer) ETF. Eine Allokation kann dann so aussehen:

80 % in einen All Country World ETF + 20 % in einen Emerging Markets ETF führt grob zu einer 70/30 Verteilung.

z.B. 40 € ACWI + 10 € Emerging Markets = 50 € Sparsumme.

Es ist unmöglich hier nun alle möglichen Kombinationen abzudecken, daher sehe das nur als „Inspiration“. Worauf du langfristig für deinen Nachwuchs setzen möchtest, ist am Ende immer deine Entscheidung… Ich kann dir lediglich Hilfsmittel für die Auswahl an die Hand geben und hoffe, das mit diesem Artikel geschafft zu haben. Lass mir dazu gerne Feedback in den Kommentaren zukommen.

Fazit & nächste Schritte

Du hast nun einen Überblick darüber, was ein ETF ist und wie du einen passenden für dein Kind finden kannst. Jetzt heißt es, Depot eröffnen (z.B. ein Junior Depot bei der Consorsbank* (Werbung), welches ich selbst für meinen Junior nutze), den richtigen ETF finden und Sparplan einrichten. Worauf wartest du noch? 😉

Für mich hat das Junior-Depot der Consorsbank folgende Vorteile:

  • Kostenlose Konto- & Depotführung sowie kostenloses Tagesgeldkonto
  • Einfache und flexible Einrichtung sowie Anpassung von Sparplänen
  • Intuitive Bedienung und Darstellung sowie eine aktive interne Community, quasi ein Forum, in dem man sich mit gleichgesinnten austauschen kann
  • Ein wirklich gutes Gesamtangebot inkl. vielen kostenfrei besparbaren ETF. Aktuell können mehr als 380 ETF-Sparpläne ohne Sparplangebühr (Ausführungsentgelt) bespart werden. (Stand: Nov. 2022)
  • Sparpläne ab 10 € im Monat
  • Konto, Tagesgeld und Depot auf den Namen des Kindes ab Geburt möglich
  • 20 € Prämie für den Abschluss des ersten Sparplans (Bitte Bedingungen und Aktualität auf der Seite der Consorsbank checken)

Überzeugt?


Möchtest du dein Wissen in Bezug auf ETF noch weiter vertiefen, so empfehle ich dir das ETF Handbuch von Finanzfluss [8].

Falls du noch Fragen hast, bzw. dir etwas in diesem Artikel fehlt, lasse es mich gerne in den Kommentaren wissen. Lob ist auch immer willkommen 😉

Disclaimer

Beim Erstellen meiner Artikel greife ich auf meine Erfahrung und mein angesammeltes Wissen, sowie aktuelle Recherche zurück und gebe auch gerne einen Einblick auf mein konkretes Handeln. Ich bin allerdings kein Finanzberater und meine Situation muss nicht mit deiner übereinstimmen – dies ist also keine Anlageberatung. Daher empfehle ich dir auf jeden Fall auch weitere Quellen zurate zu ziehen und alles kritisch zu hinterfragen, um die für dich perfekte Entscheidung treffen zu können. Mehr dazu hier.

Quellen & weiterführende Links

[1] https://www.msci.com/our-solutions/indexes/acwi

[2] https://www.boerse.de/grundlagen/index-grundlagen/Die-wichtigsten-Indexanbieter

[3] https://www.finanzen.net/index/dax/marktkapitalisierung

[4] https://www.finanzen100.de/top100/die-grossten-borsennotierten-unternehmen-der-welt/

[5] https://www.businessinsider.de/wirtschaft/tod-von-amazon-ist-unausweichlich-erklaert-jeff-bezos-r17/

[6] https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/thesaurierende-fonds/

[7] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/wie-baut-ein-etf-einen-index-nach-16608

[8] https://www.finanzfluss.de/etf-handbuch

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