Einzelaktien für Kinder als langfristige Geldanlage

Wer sich mit der Geldanlage für Kinder befasst, kommt früher oder später auch beim Thema Aktien vorbei. Eine Möglichkeit am Erfolg börsennotierter Unternehmen teilzuhaben ist, wie hier auch schon mehrmals behandelt, die Investition in ETFs. Doch wie sieht es Direktinvestitionen in Unternehmen per Einzelaktien für Kinder aus?
Ist es sinnvoll, für Kinder in einzelne Aktien als langfristige Geldanlage zu investieren?

In diesem Artikel befassen wir uns damit, ob, wann und wie eine Investition in Einzelaktien auch für Kinder sinnvoll sein kann. Vielleicht kann ich so zu deiner Entscheidungsfindung etwas beitragen.

Viel Spaß beim lesen!

Das Wichtigste im Überblick

  • Investitionen in Einzelaktien sind immer mit einem höheren Risiko verbunden! Auf der anderen Seite hat man aber auch die Chance auf höhere Renditen.

  • Vor der Investition in Einzelaktien für dein Kind solltest du dir genau im Klaren darüber sein, worauf du dich einlässt und welche Vor- und Nachteile dieses Investment hat. Siehe dazu die Details weiter unten im Artikel.

  • Eine Investition in Einzelaktien verlangt einen höheren und dauerhaften Aufwand. Man muss verstehen, in was investiert wird und wie sich das Unternehmen und das relevante Umfeld entwickelt.

  • Die Mischung macht’s… Bei langfristiger Geldanlage sollte man nie auf nur ein Pferd setzen. Eine breite Diversifikation ist extrem wichtig. So kann man auf ETFs und Aktien setzen. Darüber hinaus noch mit Anleihen, Festgeld und/oder Tagesgeld ergänzen. Je nach Anlagehorizont und Risikobereitschaft.

  • Man kann sich langsam in dieses Thema vortasten und auch kleinere Summen über Sparpläne investieren, die im Falle eines Verlustes nicht zu sehr schmerzen. So kann der Umgang mit Verlusten früh und vor allem mit kleinen Summen „geübt“ werden.

  • Wenn du gerade erst mit dem Thema der langfristigen Investitionsmöglichkeiten für dein Kind anfängst, empfehle ich dass du dich erst mal mit den grundsätzlichen Themen umfänglich beschäftigst. Ein guter start kann mein Artikel „Geldanlage für Kinder“ sein.

Einzelaktien für Kinder als langfristige Investition

Wenn du dich mit den Möglichkeiten des langfristigen Vermögensaufbaus für Kinder schon eine Weile beschäftigst, kommst du ziemlich sicher früher oder später auch beim Thema „Einzelaktien“ vorbei.
Im folgenden teile ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse mit dir und gehe auch darauf ein, wie ich damit umgehe.

Wichtig: Mir geht es hier um eine langfristig ausgerichtete Investition für mein Kind und nicht darum, auf einen kurzfristigen Hype aufzuspringen und schnell Kohle zu machen. Das kann nach meiner Erfahrung nämlich auch ganz schnell nach hinten losgehen.

Um abwägen zu können, ob eine Investition in Einzelaktien für dich, bzw. dein Kind, infrage kommt, schauen wir uns erst mal die Vor- und Nachteile dieser Anlageklasse an.

Vorteile von Investitionen in Einzelaktien für Kinder

Wenn du ein solides finanzielles Fundament für die Zukunft deines Kindes aufbauen willst, können Aktien eine gute Ergänzung sein. Einige Vorteile von Einzelaktien:

  1. Persönliche Identifikation: Ich starte mit dem, für mich, wichtigsten Vorteil von Einzelaktien. Wenn man Aktien eines Unternehmens kauft, ist automatisch ein „stärkerer Draht“ zum Investment vorhanden, als bei einem breit gestreuten ETF, der im Grunde tausende Unternehmen beinhaltet.

    Individuelle Auswahl nach Interessen: Dein Kind wird sich automatisch stärker mit dem Thema befassen wollen, wenn es Unternehmensteilhaber einer „Marke“ ist, die das Kind selbst nutzt und toll findet. Wenn dein Kind z.B. Nike Aktien (keine Anlageempfehlung!) besitzen will, weil es die Schuhe toll findet und nur in diesen gerne Sport treibt, so ist automatisch das Interesse am Investment größer.
    Zugegeben, das ist eher etwas für ältere Kinder, die sich mit dem Thema schon auseinandersetzen können. Und: Eine Marke cool zu finden sollte nicht das einzige Auswahlkriterium sein 😉

  2. Wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und Einblicke in Unternehmen: Durch die Beobachtung des Aktienkurses im Zusammenhang mit Wirtschaftsnachrichten zum Unternehmen wird automatisch das Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge geschult. Dein Kind bekommt Einblicke ins Unternehmertum und lernt zu verstehen, wie Unternehmen funktionieren und was dessen Wert beeinflusst.

  3. Finanzielle Bildung: Dieser Punkt schließt im Grunde an die vorherigen an. Es geht darum, dass dein Kind frühzeitig lernt, wie der Aktienmarkt funktioniert. Einzelaktien sind hier wahrscheinlich interessanter als z.B. ETFs, da wie bereits gesagt ein stärkerer Bezug entsteht.
    Die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema fördert die finanzielle Bildung und führt dein Kind langsam heran, irgendwann eigene Investitionsentscheidungen treffen zu können.

  4. Teilhabe am Unternehmenserfolg und mögliche Dividenden: Als Aktionär ist man Teilhaber des Aktienunternehmens. Wenn das Unternehmen wächst und die Gewinne passen können diese, zumindest teilweise, an die Aktionäre weitergegeben werden. Man erhält eine sogenannte Dividende.

    Dein Kind bekommt also direkt eine Auszahlung auf sein Konto. So etwas kann, aus eigener Erfahrung, unglaublich motivierend sein weiter zu investieren. Und das ist, neben dem eigentlichen Vermögensaufbau, auch das Ziel hier: Dein Kind zu begeistern, Geld zu „sparen“ bzw. zu investieren! Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das auch nach dem 18. Geburtstag noch fortgeführt wird 😉

    Die Dividende sollte man dann idealerweise reinvestieren und so den Zinseszinseffekt nutzen.

  5. Umgang mit der Berg- und Talfahrt an der Börse lernen: Da Einzelaktien oft stärker im Kurs schwanken, lernt dein Kind schon früh, damit umzugehen und auch mal eine Durststrecke mit schlechteren Kursen durchzustehen. Ein gutes Unternehmen berappelt sich langfristig normalerweise wieder. Gleichzeitig gibt es dafür aber keine Garantie. Es kann durchaus zu einem Verlust kommen. Du kannst dein Kind begleiten und ihm beibringen, damit umzugehen.

  6. Mögliche höhere Renditen: Wenn man die richtigen Einzelaktien für seine Kinder auswählt, kann man damit durchaus den breiten Markt schlagen und damit eine „Überrendite“ erzielen.

  7. Langfristiges Wachstumspotential: Auch hier gilt wieder, die richtige Aktienwahl vorausgesetzt, dass langfristig ein schönes Vermögen aufgebaut werden kann, wenn die Unternehmen, in die man investiert hat, florieren und immer wertvoller werden.

  8. Diversifikation: Auch beim Investieren in Einzelaktien für Kinder kann man durch eine breitere Auswahl von Aktien sein Risiko durch Diversifikation senken. Man kann verschiedene Branchen, Regionen etc. abdecken und so langfristig ein profitables Portfolio aufbauen.

Zusammenfassung: Du siehst also, eine Investition in Einzelaktien für Kinder kann einige Vorteile mit sich bringen. Für mich besteht der Hauptvorteil darin, dass das Kind höchstwahrscheinlich einen stärkeren Bezug zu dem Thema entwickelt als bei einem ausschließlichem Investment in „anonyme“ breit gestreute Aktien ETFs.

Gleichzeitig ist ein erfolgreiches, langfristiges Investment bei Einzelaktien sehr stark von den ausgewählten Unternehmen abhängig. Das Risiko ist eindeutig größer, als bei breit gestreuten Aktien ETFs, was mich nun zu den Nachteilen bringt.

Nachteile von Investitionen in Einzelaktien für Kinder

  1. Höheres Risiko und größere Schwankungen: Der Aktienmarkt im Allgemeinen unterliegt ständigen Schwankungen. Diese können bei einzelnen Unternehmen noch deutlich stärker ausgeprägt sein. Der Kurs hängt unmittelbar an dem Ergebnis, bzw. der Entwicklung, eines Unternehmens.
    D.h. der „Segen der Überrendite“, bei der Auswahl des „richtigen“ Unternehmens, kann auch der „Fluch eines großen Verlustes“ sein, wenn man das „falsche“ ausgewählt hat.

  2. Risiko Totalverlust: Wenn man auf ein einzelnes Unternehmen setzt, so kann es sogar sein, dass das gesamte investierte Geld flöten geht. Nämlich dann, wenn das Unternehmen selbst pleite geht. Dass das bei einem breit diversifizierten Aktien ETF passiert, ist dagegen eher unwahrscheinlich.

  3. Höherer Pflegebedarf: Moment. Pflege? Sind wir hier immer noch beim Thema „Einzelaktien für Kinder“? Jupp.
    Wenn man sich für ein Investment in Einzelunternehmen entscheidet, ist die Wertentwicklung des Vermögens eben von diesen abhängig.
    Also muss man eigentlich immer am Ball bleiben und sich informieren, wie sich die Unternehmen entwickeln, oder ob irgendwelche äußeren Umstände dazu führen könnten, dass die Geschäfte schlechter laufen.
    Je nach Anzahl der Einzelinvestitionen kann das ganz schön zeitaufwändig werden. Aber auch Spaß machen 😉

  4. Schwierige Auswahl der „richtigen“ Aktien: Es ist schwierig (wenn nicht sogar unmöglich), im Voraus zu wissen, welche Einzelaktien langfristig (über Jahrzehnte) die besten Renditen abwerfen werden. Man muss einzelne Unternehmen bewerten und analysieren und darauf seine Investitionsentscheidungen begründen. Das kann schnell komplex werden und ist für Anfänger wohl eher nichts.

  5. Eingeschränkte Diversifikation: Würde das Kinderportfolio nur aus Einzelaktien bestehen, so ist es schwierig eine breite Diversifikation hinzubekommen. Meist besteht dann ein Fokus auf z.B. bestimmte Brachen oder Regionen. Das erhöht das Risiko, wenn genau diese Bereiche schlecht abschneiden.

  6. Die emotionale Komponente: Wie auch schon bei den Vorteilen angesprochen, kann es sein, dass eine Aktie an Wert verliert und sich nicht mehr erholt. Dann musst du und dein Kind damit entsprechend umgehen können, bzw. diesen Umgang lernen. Die Erfahrung kann emotional belastbar sein.

Verstehe diese Liste als Denkanstoß. Vor- und Nachteile bei Investitionen in Einzelaktien für Kinder können individuell sehr unterschiedlich sein. Das hängt natürlich vom eigenen Empfinden und vielen Faktoren, wie verfügbarem Budget etc. ab.

Deiner Meinung nach fehlt ein Vor- oder Nachteil in dieser Liste? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar unter dem Artikel.

Warum in Einzelaktien für Kinder investieren?

Einzelaktien bieten die Möglichkeit, gezielt in bestimmte Unternehmen zu investieren, von denen man überzeugt ist. Punkt.

Sehr viel mehr gibt es dazu fast nicht zu sagen 😉

Okay, ein bisschen mehr sage ich dazu doch noch:

Bei der Investition in Einzelaktien habe ich die Chance, den breiten Markt zu schlagen und somit besser abzuschneiden, als ein breit aufgestellter ETF. Bei einer Einzelaktie gibt es nach oben quasi keine Limits.

Man kann aber auch einen Totalverlust erleiden. Ich selbst habe schon in Unternehmen investiert, die dann überraschend insolvent gegangen sind und damit der Aktienkurs innerhalb kürzester Zeit auf quasi Null fiel. (Wenn es dich interessiert: Google mal „Wirecard“).

Beispiele für Einzelaktienperformance

Um meine Ausführungen zu verdeutlichen habe ich, mehr oder weniger, „willkürlich“ ein paar Aktien herausgesucht um deren Performance mit einem breit gestreuten Index, dem MSCI World, zu vergleichen. Die Aktienauswahl stellt natürlich keinerlei Anlageempfehlung zum Kauf oder Verkauf derselben dar.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an:

Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Tesla und Microsoft. Logarithmische Darstellung. Bildquelle: ariva.de
Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Tesla und Microsoft. Logarithmische Darstellung. Bildquelle: ariva.de

Im Chart oben siehst du den MSCI World, repräsentiert durch den iShares Core MSCI World ETF in blau dargestellt, verglichen mit der Kursentwicklung von Tesla und Microsoft. Ich habe diese beiden Unternehmen herausgepickt, da diese auf der einen Seite einen mega Hype (Tesla) und auf der anderen Seite einen stetigen starken Wachstum (Microsoft) erlebt haben. Beide liefern eine bessere Performance als der MSCI World Index. Vor allem bei Tesla ist aber auch die damit verbundene Berg- und Talfahrt schön zu sehen, wobei die logarithmische Darstellung das sogar etwas „glättet“.

Schauen wir uns mal die prozentuale Darstellung an:

Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Tesla und Microsoft. Prozentuale darstellung.
Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Tesla und Microsoft. Prozentuale Darstellung. Bildquelle: ariva.de

Krass, oder? Das ist schon keine Berg- und Talfahrt mehr, sondern ein reiner Achterbahnritt 🙂

Wer 2013 bei Tesla eingestiegen ist, hat Ende 2021 seinen Einsatz grob verzweihundertfacht! Schon nicht schlecht. Nur muss man bei all den Abstürzen, die es in der Zeit zuvor gab auch die Nerven behalten haben und dabei geblieben sein. Nach dem Hoch Ende 2021 ging es richtig turbulent zu und nochmal richtig abwärts. Hätte man dann verkauft wäre „nur“ eine versechzigfachung (grob) übrig geblieben. Und jetzt liegen wir immerhin wieder bei Faktor ~130…
Hätte man allerdings beim Hoch 2021 gekauft, so wäre der Verlust immer noch sehr deutlich.

Da ist Microsoft mit seinem soliden, kontinuierlicheren Wachstum fast schon „langweilig“ 🙂
Langweilig ist aber nicht unbedingt schlecht. Auch hier war eine verzwanzigfachung drin. In 10 Jahren! Schon stark!

Der MSCI World hat sich in dieser Zeit „nur“ etwas mehr als verdreifacht. Aber eben deutlich „ruhiger“ verhalten, als die Einzelaktien.

Also, alles auf Einzelaktien? Naja, wenn du dir sicher sein kannst die „High-Performer“ rauszupicken und das richtige Timing beim Kauf und Verkauf an den Tag zu legen, vielleicht.

Ich kann das nicht, du? Wenn nicht, dann wird aus dieser Überrendite-Chance ganz schnell ein hohes Verlust-Risiko.

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele an, bei denen es „nicht ganz so gut“ lief:

Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Bayer und Wirecard. Logarithmische Darstellung.
Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Bayer und Wirecard. Logarithmische Darstellung. Bildquelle: ariva.de

Hier, wieder in blau, der MSCI World repräsentiert durch den iShares ETF. Dagegen „spielt“ eine, wie man meinen könnte, Aktie eines soliden deutschen Unternehmens: Bayer – in rot. Hmm. Eher negativ und auf jeden Fall unterhalb der Rendite des ETFs.

Wirecard ist als Extrembeispiel, wie weiter oben erwähnt, ein Totalschaden.

Auch hier verdeutlich der Blick auf den Chart, in dem die Entwicklung prozentual dargestellt ist, die Achterbahnfahrt etwas deutlicher:

Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Bayer und Wirecard. Prozentuale Darstellung. Bildquelle: ariva.de
Börsenchart des iShares Core MSCI World von 2013 bis 2023 im Vergleich zu Bayer und Wirecard. Prozentuale Darstellung. Bildquelle: ariva.de

So hat man zwischenzeitlich auch mit Wirecard eine Verzehnfachung hinbekommen können. Wer dann im Sommer 2018 ausgestiegen ist, hat satte Gewinne eingefahren. Wer, wie ich, dabei geblieben ist, hatte pech.

Eine Bayer Aktie hat, wie erwähnt, leider auch keinen positiven Trend gezeigt und den MSCI World deutlich underperformed.

Und nu?

Einzelaktien für Kinder – mehr Chance als Risiko?

Welche Risiken Einzelaktieninvestments beinhalten hast du in den Charts oben gesehen. Bei einem Investment in ein Unternehmen ist man komplett von dessen Erfolg abhängig. Dazu kommen alle möglichen „externen Risiken“, wie verschlechterndes Marktumfeld, bessere Produkte der Konkurrenz, sich ändernde Regularien etc.

Man kann diese Risiken nicht vermeiden, aber vielleicht etwas limitieren. Wie? Analyse und die für dich richtige Portfolioallokation. Was ich damit meine liest du weiter unten.

Warum kann es also nun überhaupt sinnvoll sein, für ein Kind in Einzelaktien zu investieren?

Junge Investoren zeigen sich in Sachen Geldanlage an der Börse interessierter, wenn es sich um Unternehmen handelt, deren Produkte sie kennen und lieben.

Ich bin überzeugt davon, dass junge Investoren deutlich engagierter in Sachen Geldanlage sind, wenn ihr Geld in Unternehmen angelegt wurde, die sie kennen und lieben.

Es kann motivieren, die „eigene“ Marke wachsen zu sehen. Plötzlich sind Wirtschaftsnachrichten spannend. Es werden Zusammenhänge zwischen Aktienkursen und der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung oder Unternehmensentscheidungen deutlich. etc.

Die Unternehmensnachrichten zu verfolgen und zu erleben, was der Aktienkurs z.B. nach Veröffentlichung der Quartalszahlen des Unternehmens so macht ist interessant und spannend.

Dein Kind schnappt so Wissen mit direktem Bezug auf seine realen Investments auf, das es in der Schule sehr trocken (wenn überhaupt) beigebracht bekommen hätte.

Daher ist für mich das Risiko, so lange ich dieses nur in kleinem Umfang eingehe, akzeptabel. Ich stecke also nur eine kleine Position an Einzelaktien ins Depot. Im schlimmsten Fall muss ich Verluste als „Lehrgeld“ verbuchen. Du entscheidest für dich und dein Kind natürlich immer selbst!

Lass uns noch ein paar weitere Punkte zum Thema beleuchten, damit dir diese Entscheidung vielleicht etwas leichter fällt:

Was gibt es bei der Auswahl von Einzelaktien für Kinder zu beachten?

Diese Frage ist nicht sonderlich leicht zu beantworten. Erwarte hier keine perfekte Anleitung, die zum Erfolg führt, zumal es – langfristig betrachtet – auch nur den wenigsten professionellen Investoren gelingt, den breiten Markt zu schlagen. [1]

Hier trotzdem meine Top 5 Themenfelder, die ich bei der Auswahl von Einzelaktien für mein Kind genauer beleuchten würde.

1. Interessen des Kindes berücksichtigen

Ja, das ist schon etwas ausgelutscht, da weiter oben schon mehrfach erwähnt. Es ist also nicht grundlos meine Nummer 1 😉

Dieser Punkt wird relevant, wenn das Kind in einem entsprechenden Alter ist. Dann kann die Auswahl der richtigen Aktienunternehmen das Interesse des Kindes am Investieren fördern. Wie schon gesagt, wenn ich in ein Unternehem investiere, dessen Produke ich cool finde und ich häufig nutze, so ist sofort ein Bezug da.

Und wer weiß, vielleicht kann sich das Kind irgendwann mal ein solches Produkt rein von der Dividende bzw. Gesamtrendite des Investments kaufen 😉

2. Analystenbewertungen checken

Ich hatte zwar schon erwähnt, dass auf die Profis nicht immer – und schon gar nicht langfristig – unbedingt richtig liegen. Allerdings können diese uns so einiges an Arbeit abnehmen. Analysten kennen Unternehmen, deren Bilanz, die Strategie etc. All diese Informationen fließen in deren Bewertung ein. Heraus kommt meistens eine Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten einer Aktie.

Außerdem werden otmals Kursziele angegeben. Also ein Wert, den die Aktie des entsprechenden Unternehmens, nach einer gewissen Zeit aufgrund der Analyse einnehmen sollte. Ob das dann auch alles so eintritt steht auf einem anderen Blatt.

Nichtsdestotrotz können Analystenbewertungen einen guten Anhaltspunkt liefern, ob ein Einzelaktieninvestment in dieses bestimmte Unternhemen zum aktuellen Zeitpunkt sinnvoll sein kann.

Viele Broker bieten einem direkt in der App, bzw. auf deren Webseite, einen Überblick darüber, was die Analysten so zu einem Wert sagen. Darüber hinaus kann man auch einfach „Analystenbewertung Unternehmen XY“ googeln.

3. Eigene Finanzanalyse durchführen

Jetzt wird es langsam schon tricky. Ein Unternehmen selbst zu analysieren erfordert Finanzwissen und Zeit. Es ist schon etwas aufwändiger, die Bilanz- und Unternehmenszahlen eines Unternehmens selbst zu analysieren und daraus eine Investitionsentscheidung abzuleiten.

Mögliche Kennzahlen, die man hier betrachten kann: Einnahmen, Gewinne, Schulden, Cashflow, Eigenkapital usw. Außerdem kann man noch einen Blick auf das „KGV“, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, werfen, welches auch bei vielen Brokern oder Online Börsenplatformen angezeigt werden.

Diese Kennzahlen können dir helfen, die aktuelle Situation des Unternehmens zu verstehen. Ist es solide finanziert, oder abhängig von großen Krediten? Wie sieht der Umsatz/Gewinn aus? Passt der Cashflow? Werden regelmäßig Dividenden ausgeschüttet? Usw.

Zur Analyse sollte auch die Historie und der Ausblick des Unternehmens gehören. Es ist also insgesamt doch recht umfangreich, selbst eine Analyse durchzuführen.

Die nötigen Daten findest du entweder auf den Webseiten der Unternehmen selbst, hier werden die „Investor Relations“ veröffentlicht. Es gibt aber auch viele Platformen und Broker, die genau solche Kennzahlen aggregieren und über Jahre hinweg darstellen.

4. Markt- und Branchentrends berücksichtigen

Auf der Suche nach Einzelaktien für dein Kind kannst du dir erst einmal über eine Branche Gedanken machen, die deiner Meinung nach vielversprechende Zukunftsaussichten hat.

Bist du z.B. davon überzeugt, dass das Internet und die Künstliche Intelligenz weiter für immensen Wachstum und somit Kurssteigerungen führt? Dann kann ein entsprechendes Tech-Unternehmen sinnvoll sein.

Oder setzt du darauf, dass die aktuell gebeutelte Chemie-Industrie in Zukunft wieder größere Relevanz erhält? Dann kann es sich hier lohnen, auf die Suche zu gehen. (Wobei es in diesem Bereich wahrscheinlich etwas schwerer ist, eine „coole“ Aktie zu finden, die das Kind begeistert. Siehe 1. ).

Außerdem gibt es Branchen, die einem Zyklus unterliegen und eben mal besser und mal schlechter laufen. [2] In einer schlechten Marktphase werden z.B. teure Anschaffungen aufgeschoben. Unternehmen, die eher mit teuren Produkten Geld verdienen finden dann evtl. nicht mehr genug Abnehmer. Dafür gibt es dann Aufholbedarf, wenn die Marktlage sich wieder bessert.

5. Risikotoleranz und Portfoliogewichtung berücksichtigen

Da die Investition in Einzelaktien IMMER mit höheren Risiken verbunden ist, würde ich vor dem Einstieg die Risikotoleranz und Gewichtung im Portfolio prüfen bzw. festlegen.

Was heißt das nun?

Zum einen würde ich mir genau über die möglichen Risiken Gedanken machen und diese mit dem Kind auch besprechen. Auch die Möglichkeit eines Totalverlustes.

Zum anderen würde ich niemals ausschließlich oder mehrheitlich in Einzelaktien für Kinder investieren. Das Basisinvestment für einen langfristigen Vermögensaufbau sollten immer breit gestreute ETFs bilden! Um dieses Basisinvestment kann man sich dann mit „kleinem Geld“ ein paar „Satelliten“ bauen, indem man in eine, oder auch ein paar, Einzeltitel investiert.

Du kannst dir hierfür auch bestimmte Ziele setzen. z.B. 5% oder 10% des Gesamtportfolios in Einzelaktien, den Rest in breit diversifizierte Welt-ETFs. Daneben noch sichere Geldanlagen wie Tagesgeld etc.

Ein regelmäßiger Check des Depots und der Einzelwerte ist dann auf jeden Fall nötig. Wenn sich etwas prinzipiell an der Entscheidung für die Investition in ein Unternehmen ändert, so musst du auch die konsequenz ziehen und evtl. sogar mit Verlust aussteigen.

Hierzu noch ein Bonus-Punkt – die Exit Strategie:

6. Bonus-Themenfeld: Exit Strategie festlegen

Es ist wichtig, sich schon beim Kauf einer Einzelaktie zu überlegen, wann man wieder aussteigt. Dies können Kursziele (nach oben, wie unten) sein, oder andere Kriterien, wie Finanzdaten des Unternehmens.

Generell gilt, wenn sich das Marktumfeld, oder das Unternehmen selbst, in eine Richtung entwickelt, sodass du bei einer Analyse zum jetzigen Zeitpunkt, Aktien dieses Unternehmen nicht kaufen würdest, so kannst du das als „Verkauffsignal“ für dich werten.

Darüber hinaus kannst du dir eine Gewinnmitnahme- und Verlustbegrenzungsstrategie überlegen.

Wenn ich z.B. bei einem Kursgewinn von 100% die Hälfte der Aktien die ich halte verkaufe, so habe ich meinen Einsatz wieder (Naja fast, man zahlt auf den Gewinn u.a. auch Steuern). Den Rest kann man dann „risikolos“ halten.

Ich kann auch definieren, dass max. 10-20% Verlust tragbar sind und dann eben mit Verlust verkaufen.

Beide Strategien haben aber den Nachteil, dass es immer nach hinten los gehen kann. Ich selbst habe schon Aktien nach 20% Verlust verkauft, nur um zu beobachten, wie sie dann dreht und wieder fröhlich auf neue Höhen klettert.

Nichtsdestotrotz: Definiere deine Exit Strategie. Besprich sie mit deinem Kind und schreibt sie auf. Das hilft, dass man sich bei „Schadenseintritt“ dann auch eher daran hält.

Einzelaktien oder ETF Investment für Kinder?

Moment. Warum eigentlich „oder“ ? 🙂

Ich bin der Meinung: entweder in breit gestreute ETFs investieren, oder auch beides.
Nur in Einzelaktien würde ich für mein Kind nicht investieren. Warum sollte nach den bisherigen Ausführungen eigentlich klar sein. Die Entscheidung muss allerdings jeder für sich selbst treffen. Nur du bist verantwortlich für deine Investment-Entscheidungen…

Warum sehe ich das so?

Dass der Gesamtmarkt (abgebildet über ETFs) irgendwann gegen „Null“ fällt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Das würde bedeuten, dass unsere Weltwirtschaft zusammengebrochen ist oder zumindest ein Riesenproblem hat. Dies hätte massive Auswirkungen auf unser leben. So würden Arbeitsplätze verloren gehen, Waren wären nicht mehr verfügbar usw. Das Leben, wie wir es aktuell kennen wäre komplett auf den Kopf gestellt.
Ein ETF Investment für unser Kind, dass dann auf „Null“ gefallen ist wäre somit wahrscheinlich unsere kleinste Sorge.

So ein Szenario ist natürlich nie ganz auszuschließen, aber es eben grenzt schon fast an Weltuntergang. Als Optimist denke ich nicht, dass es soweit kommt. (Wenn ichs auch nicht ausschließen kann…) Ansonsten sollte ich vielleicht in einen Bunker und Lebensmittelvorräte anstatt in Aktien und ETFs investieren. 😉

Bei Einzelaktien sieht es schon anders aus, wie bereits erklärt ist ein Totalverlust möglich. Hier muss z.B. „nur“ das Geschäftsmodell des Unternehmens, in das du investiert hast, nicht mehr funktionieren und schon geht es steil abwärts. (Es gibt noch viele weitere mögliche Gründe).

Wenn du also ohne größeren Aufwand über einen langen Zeithorizont (Jahrzehnte) für dein Kind einfach Geld investieren willst, so ist ein ETF wahrscheinlich eher etwas für dich. (Bzw. dein Kind).

Wenn du Spaß daran hast, Unternehmen zu analysieren und direkter Miteigentümer bestimmter Unternehmen zu werden, bzw. dein Kind in diese Richtung lenken willst, so ist eine Investition in Einzelaktien eine mögliche Beimischung. Wichtig ist, dass du (und dein Kind) dann am Ball bleibt und die Unternehmen und das Umfeld im Auge behaltet.

Wie mache ich es?

ETF vs. Einzelaktien – die Mischung macht’s

Mit dem etwas flapsigen Ausdruck „Mischung“ meine ich hier natürlich eine Portfoliogewichtung. Sprich, die Quote der riskanteren Einzelaktieninvestments zur Quote der risikoärmeren breit gestreuten ETFs.

Um mein Hauptziel irgendwann einmal zu erreichen, (Interesse meines Kindes am Aktienmarkt zu wecken) genügen wahrscheinlich wenige Einzelaktien. Der Rest des Ersparten wird in breit gestreute Aktien ETFs gesteckt. Schau dir hierzu gerne auch den Blogbereich an, in dem ich hierauf näher eingehe. (Z.B. im Depotupdate).

Man kann sich selbst auch eine feste Quote vorgeben. z.B. 90 % der Investments in ETFs und max 10% in Einzelaktien. Wenn man das sehr strickt machen will kann es aufgrund der möglichen Outperformance dazu kommen, dass dann Aktienanteile verkauft werden müssen. (Rebalancing). Oder du kaufst mehr ETF Anteile nach, um wieder ins richtige Verhältnis zu kommen. Für dein Kind ist Option 2 wahrscheinlich die Bessere :-).

Sparpläne auf Einzelaktien für Kinder

Analog zu ETF Sparplänen können auch Aktien mit kleineren Beträgen regelmäßig bespart werden. D.h. es ist nicht unbedingt nötig eine ganze, bzw. mehrere, Aktien auf einmal zu kaufen. Das kann abhängig vom gewünschten Unternehmen recht teuer werden und dann stehen wir ratzfatz vor dem Problem, evtl. die Einzelaktien-Quote im Gesamtportfolio zu reißen.

Daher würde ich nach Auswahl des gewünschten Unternehmens erst mal einen Sparplan anlegen und diesen eine Weile laufen lassen. Bitte beachte die Kosten dieser Sparpläne, je nach Broker können die Gebühren etwas höher ausfallen als bei ETF Sparplänen.

Alternativ kann man eine Aktie auch zu Weihnachten oder zum Geburtstag verschenken. Wenn dein Kind Geld geschenkt bekommen hat kannst du auch davon eine Aktie kaufen. In diesem Fall würde ich sogar eine Ausnahme bzgl. der Quote machen. Geschenktes Geld in Aktien zu investieren finde ich persönlich sinnvoller, als es für Süßigkeiten und Spielzeug zu verballern. (Natürlich nicht alles… Ein bisschen Spiel & Spaß sollte ja schon auch drin sein. Meiner Meinung nach bekommen die Kids aber heutzutage sowieso zu viel Zeugs geschenkt. Aber das ist ein anderes Thema…)

Zurück zum Thema Sparpläne auf Einzelaktien für Kinder:

Inzwischen bieten viele Broker solche Sparpläne auf Einzelaktien an. Schauen wir uns das mal etwas genauer an.

Sparpläne auf Einzelaktien – wo und zu welchen Konditionen möglich?

Die meisten Broker machen es im Sparplan möglich. So auch Consors. [3] Ich habe das Consors Juniordepot* ja schon mehrfach vorgestellt. Hier kannst du im Namen deines Kindes direkt ein Depot eröffnen und dann auch neben ETF Sparplänen Aktiensparpläne anlegen. Für mehr Details siehe: was ich nutze.

Neobroker sind was den Kauf „gestückelter“ Aktien per Sparplan betrifft evtl. günstiger bzw. soger kostenlos (neben einem evtl. etwas höheren Spread). Leider kenne ich aktuell noch keinen Neobroker, der auch Depots für minderjährige anbietet. D.h. hier müsste dann das Depot auf ein Elternteil, bzw. beide Eltern, laufen. Die dort erworbenen Aktien können dann zu einem späteren Zeitpunkt auf das Junior-Depot übertragen werden.

Für meine Neobroker-Empfehlungen schau auch gerne bei „was ich nutze“ vorbei.

Fazit

Ein Investment in Einzelaktien ist mit mehr Aufwand und aktivem handeln verbunden. Und das nicht nur einmalig! Man muss am Ball bleiben um Veränderungen rechtzeitig mitzubekommen und evtl. aus dem Investment auszusteigen. Hierbei muss man sich immer aufs neue Fragen „Würde ich zum jetzigen Zeitpunkt, mit jetzigem Wissen, wieder in dieses Unternehmen investieren?“.
Diesen Weg muss man bewusst gehen wollen. Man kann dann aber womöglich seinem Kind viel zum Thema Geldanlage und allgemeine Wirtschaftsbildung näher bringen.

Ich sehe mich schon mit meinem Junior über Aktienkursen brüten und über das nächste Investment diskutieren 🙂 Aber ich glaube das dauert noch ein paar Jährchen. Wenns überhaupt soweit kommt…

Disclaimer

Beim Erstellen meiner Artikel greife ich auf meine Erfahrung und mein angesammeltes Wissen, sowie aktuelle Recherche zurück und gebe auch gerne einen Einblick auf mein konkretes Handeln. Ich bin allerdings kein Finanzberater, Steuerberater ö.ä. und meine Situation muss nicht mit deiner übereinstimmen – dies ist also keine Anlageberatung. Investieren in Wertpapiere ist immer mit Risiken verbunden. Du handelst immer auf deine eigene Verantwortung. Ich empfehle dir auf jeden Fall auch weitere Quellen zurate zu ziehen und alles kritisch zu hinterfragen. Betreibe eine ausführliche Recherche, um die für dich perfekte Entscheidung treffen zu können. Mehr dazu hier.

Quellen & weiterführende Links

[1] https://www.cnbc.com/2020/09/18/stock-picking-has-a-terrible-track-record-and-its-getting-worse.html

[2] https://deutsche-boerse.com/dbg-de/unternehmen/wissen/boersenlexikon/boersenlexikon-article/Zyklische-Aktien-Branchen-248846

[3] https://www.consorsbank.de/ev/Sparen-Anlegen/Anlegen/aktien/aktien-sparplan