#1: Dein eigenes Depot


April-2021

Lieber Jakob,

Das ist die erste E-Mail an dich zum Thema Geld, bzw. Geldanlage. Du wunderst dich vielleicht, warum du diese E-Mail schon einen Monat nach deiner Geburt bekommst. Aktuell besteht deine Hauptbeschäftigung darin, zu essen, schlafen und in die Windel zu machen. Was willst du ja jetzt schon mit Geld und dem Thema „Depot“ anfangen? 😉
Ganz einfach: Eine langfristige Geldanlage in Unternehmensbeteiligungen (Aktien, ETF…) ist aus unserer Sicht der einzig sinnvolle Weg eine vernünftige Rendite zu erzielen. Über einen längeren Zeitraum zurückblickend war bei einem breit angelegten Aktiendepot (weltweite Streuung) locker eine durchschnittliche Rendite von 7 % pro Jahr drin.
Um dann noch eine hübsche Summe zusammenzubringen, braucht es neben der guten Rendite vor allem eines: Zeit!

Also gilt: Je früher wir (du) damit anfangen, umso besser!

Warum ist das so? Ein Wort: Zinseszinseffekt

Das Problem mit dem Zinseszinseffekt ist, dass er nur schwer zu verstehen und zu greifen ist. Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, „exponentiell“ zu denken. Was heißt das nun wieder???
Wenn du dein Geld z.B. über 3 Jahre anlegst, sagen wir 100 €, bei 7 %. Dann bekommst du im ersten Jahr 7 € Zinsen auf die 100 €. Im zweiten Jahr ist die Anlagesumme dann aber 107 €, auf die du 7 % bekommst. Das sind dann 7,49 €. Und im dritten Jahr ist die Anlagesumme auf 114,49 € (100 + 7 + 7,49) gewachsen. Darauf bekommst du bei 7 % dann schon 8,01 € ! Und so geht das über die Zeit immer weiter. Du kannst dir das vorstellen, wie einen Schneeball, den du einen Berg hinunterrollen lässt und der über die Zeit immer größer wird.

Ein anderes einfaches Beispiel: Nehmen wir an, ich schenke dir 1 € und dieser verdoppelt sich täglich über die nächsten 10 Tage. Wie viel hast du dann? Die Lösung: 512 €. Nicht schlecht, oder?
Nun nehmen wir an das geht weitere 10 Tage so weiter, also 1 € verdoppelt sich jeden Tag für 20 Tage lang. Man könnte jetzt meinen: „Jo ist ja doppelt so lang, also wird das doppelte bei rauskommen. Das wären dann 1024 €. Die Antwort ist aber falsch. 1024 € sind es schon nach 11 Tagen. Nach 20 Tagen wären es 524.288 € !! Also über eine halbe Million! Das ist die Power der Exponentialfunktion, bzw. des Zinseszinses, die unser Gehirn nur schwer meistern kann.

Jetzt ist es leider so, dass sich unser Geld nicht jeden Tag verdoppelt. (Oder zum Glück, dann wäre es nämlich auch nichts mehr wert). Bei 7 % Rendite dauert es ca. 11 Jahre, bis sich der Geldbetrag verdoppelt. Puh, ganz schön lange, oder?

Das schöne ist: Du hast Zeit! Du bist aktuell ein Baby und hast noch 67 Jahre bis zur Rente :-). Also, wie gesagt: Je früher du anfängst, umso besser.

Dieses Bild hier zeigt das auch sehr eindrucksvoll:

Grafische Darstellung von der Wertentwicklung eines Euro bis zum Alter von 67 nach Alter der Investition. Zinseszinseffekt

Was siehst du hier? Auf der x-Achse horizontal ist das Alter angegeben, in dem wir einen Euro bei 7 % investieren. Auf der y-Achse vertikal ist der Wert angegeben, wie viel Euro wäre aus diesem einen Euro entstanden, wenn du diesen bis zum Alter von 67 angelegt hättest und jedes Jahr 7 % Rendite bekommen hättest.

Starten wir bei der Geburt, so wird aus einem Euro 86,96 € bis 67!
Wenn wir diesen Euro erst mit deinem 5. Lebensjahr anlegen, dann sind es noch 66,34 €, wenn du 67 wirst.
Und wenn wir Eltern gar nichts tun und dich erst mit 18 die Sache selbst in die Hand nehmen lassen, dann wird aus dem einen Euro, den du mit 18 bei 7 % p.a. anlegst und bis 67 liegen lässt, „nur“ noch 27,53 €.
Eine „versiebenundzwanzigfachung“ ist immer noch gewaltig! Aber Faktor 86 finde ich etwas beeindruckender 😉

Würden wir also die ersten 18 Lebensjahre ausblenden und das dir alleine überlassen, dann sähe das so aus:

Grafische Darstellung von der Wertentwicklung eines Euro bis zum Alter von 67 nach Alter der Investition. Zinseszinseffekt. Startzeitpunkt 18 Jahre

Da du jetzt noch nicht selbst Geld anlegen kannst, fangen wir also für dich an!
Ein Teil des Kindergeldes und der Geldgeschenke, die du über die Jahre bekommen wirst, werden in ETF investiert. In welche, und warum ich diese ausgesucht habe, das erzähle ich dir mal in einer separaten Mail.

Das Ganze funktioniert aber nur, wenn du das Geld investiert lässt und nicht mit 18, wenn du darauf Zugriff hast, verprasst! Aber darüber reden wir sicher auch noch…

Dein Papa

Nachwort

Lieber Blog Leser. Die oben dargestellte E-Mail an meinen Sohn habe ich natürlich etwas überarbeitet und für den Blog besser leserlich gemacht. Ich hoffe, dass ich dich (und meinen Sohn :-)) trotzdem damit habe inspirieren können und du eine langfristige Geldanlage für dein Kind in Angriff nimmst.

Natürlich könntest du jetzt sagen, dass das alles etwas zu vereinfacht dargestellt ist. Die Börsen schwanken ja schließlich. Die 7 % beziehen sich natürlich auf einen Durchschnittswert. In Wirklichkeit wird es Jahre mit weniger, oder sogar negativer, Rendite geben. Dafür gibt es aber auch Jahre mit deutlich höheren!
Ob jetzt aus einem Euro 85 oder 80 werden, oder „nur“ 70 spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Und was man dann dafür kaufen kann, steht auch noch auf einem anderen Blatt. Das Thema Inflation, sprich Geldentwertung, ist ja aktuell auch ein sehr heißes Thema. Nichtsdestotrotz ist das meiner Meinung nach, für uns, der beste Weg ein finanzielles Polster für Jakob aufzubauen.

„Altersarmut“ und „Rentenlücke“ sind heute schon aller Munde. Über die nächsten Jahre und Jahrzehnte wird sich die Situation bestimmt nicht entspannen, sondern eher schlimmer. Deshalb möchte ich jetzt schon etwas gegen die potenzielle Altersarmut meines Kindes tun. Und das tolle ist, je früher man damit anfängt, umso leichter ist es. Mehr Details hierzu kannst du in meinem Artikel über Geldanlage für Kinder lesen. Inflation und Börsenschwankungen hin oder her, nichts zu tun ist meiner Meinung nach immer die schlechtere Alternative.

Wenn es dich interessiert, über welche Bank ich für Jakob ein sogenanntes Kinderdepot (auch Junior Depot) eröffnet habe, so schau gerne in meine kurze Übersicht: was ich nutze.

Wie ich meine ETF-Auswahl für Jakob treffe, erkläre ich hier.

Warte auf jeden Fall nicht zu lange damit. Wie dir diese Übersicht auch gezeigt hat, ist Zeit wirklich Geld.

Disclaimer

Beim Erstellen meiner Blogeinträge greife ich auf meine Erfahrung und mein angesammeltes Wissen, sowie aktuelle Recherche zurück und gebe auch gerne einen Einblick auf mein konkretes Handeln. Ich teile hier öffentlich eine E-Mail an meinen Sohn. Dies ist keine Anlageberatung. Fehler können passieren (z.B. bei Berechnungen), falls du einen findest, so weise mich gerne darauf hin. Lies bitte auch mehr dazu hier.

1 Gedanke zu „#1: Dein eigenes Depot“

  1. Lieber Frank, dein Konzept finde ich wirklich klasse! Ich bin zwar (noch) keine Mama, aber mittlerweile ist mir klar, dass das Thema Investment von Anfang an „geplant“ sein sollte. Hier bietest du dafür wirklich eine inspirierende Plattform. Danke für die Idee und ich werde deine Beiträge verfolgen 🙂 Viele Grüße, Stella

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